Zwischen gestern und heute – die Küste Montenegros entlang

Blick ins Land in Montenegro

Wir hatten also Podgorica verlassen. Mit dem Mietauto machten wir uns raus aus der Stadt und auf in Richtung Küste. Ganz spontan hatten wir vorher im Netz nach freien Hotelzimmern gesucht. Die Entscheidung fiel einstimmig. Es sollte die Präsidentensuite des Hotel Del Mar in Petrovac werden. Freundlicherweise stellen die Montenegriner für den Weg eine einwandfreie Straße zur Verfügung. Es ging also vorbei an Wiesen, blühenden Bäumen, einmal über den Skutarisee und dann. Sollen wir den Tunnel nehmen oder durch die Berge fahren? Leichte Wahl, zugegeben. Rauf in die Berge und einmal Montenegro bei Tag von oben betrachtet. Die Ausblicke sind wunderschön, wenn der Blick von den Bergen über Wälder, Täler bis hin zum Meer schweift. Am Straßenrand stehen stehen alle paar hundert Meter Schilder die den Weg zu Weingütern weisen.

Wir haben uns dann auch dazu entschlossen, einem solchen Schild zu folgen. Die Straßen waren abenteuerlich. Also, eigentlich waren es mehr Schlaglöcher mit ein wenig Asphalt rundherum und 100 Meter tiefen Abhängen auf der einen, und verdächtig nach Steinschlag aussehenden Hängen auf der anderen Seite. Aber hätten wir es nicht heil durchgeschafft, ich würde das hier nicht schreiben. Und ein wenig Abenteuer macht die Reise über den Balkan doch erst spannend. Schade nur, dass beide Weingüter geschlossen waren. Ich hätte zu gern montenegrinischen Wein mit nach Hause genommen. Das hatte ich doch sogar damals in Namibia geschafft.

Blick von der Dachterrasse im Hotel Del Mar in PetrovacEine halbe Stunde später kamen wir dann tatsächlich auch in Petrovac an. Ein kleines Dorf, das sich an den schmalen Küstenstreifen zwischen Berg und Meeresbrandung schmiegt. Schön ist es jetzt nicht gerade zu nennen. Vor allem zeigt der Tourismus schon seine Krallen. Ein Hotel folgt auf das nächste, zwei neue sind gerade am entstehen. Aber es war April – absolute Vorsaison. Von Touristen also weit und breit nichts zu sehen. Auch nicht in unserem Hotel. Die extrem charmante Hausherrin hieß uns willkommen. Die Buchung war aufgrund technischer Probleme zwar noch nicht eingegangen – aber unsere Präsidentensuite haben wir trotzdem bekommen. Drei Zimmer, zwei Bäder, 20 qm Dachterrasse mit Blick aufs Meer. Muss ich mehr sagen? Wahrscheinlich nicht. Weil: Was braucht man bei 24 Grad und strahlendem Sonnenschein mehr? Gut, wir waren dann am Morgen auch im Wasser. 14 Grad wird das Meer schon gehabt haben. Aber hey, wir waren drin. Stoßatmung und Gänsehaut inklusive. Und lustig ist das allemal.
Einkaufszentrum von Bar
Zwei Tage lang war Petrovac angesagt. Aber weil wir so unstete Geister sind, haben wir es nicht lange ausgehalten. Am zweiten Tag also rein ins Auto und wieder auf Tour, auf in den Süden. Sutomore, Bar, Ulcinj. Sonderlich schön ist keine der Städte. Herauszuheben sind aber in jedem Fall das grandiose Einkaufszentrum in Bar. Ein architektonisches Meisterwerk, das wie ein gestrandetes Ufo mitten in der Stadt auf Reparatur und erneuten Abflug wartet. Zu kaufen gibt es darin im Grunde nichts sinnvolles. Aber für meine 5 € Sonnenbrille habe ich schon einige Komplimente bekommen.

Bleibt also noch Ulcinj. Ganz im Süden gelegen, wenige Kilometer von der albanischen Grenze. Ein Gewusel und ein wild-hässlicher Haufen an Häusern macht das heutige Zentrum der Stadt aus. Erst wenn man vom Hafen hinauf wandert in die alte Steinstadt, die am Hang majestätisch über dem Meer thront kann man ahnen, was an Ulcinj schön sein soll. Es sind die nach dem Erdbeben wieder aufgehauen Häuser. Es ist der Blick über die Klippen auf das Meer. Es ist die Sonne, die in windstillen Ecken Bäume zu weißer, roter und rosa Blütenpracht verführt. Und, so dachten wir, es wäre Jonny. Im Vorbeigehen haben wir ihn kennengelernt. Er ist Fischer und vermietet seit Jahren Zimmer an Gäste. Mit ihnen macht er dann auch Bootstouren, fährt mit ihnen zum Tauchen oder macht Ausflüge mit dem Mountainbike. Das alles hat er uns auf seiner Terrasse erzählt, bei einer Karaffe Wein, den seine Mutter selbst gekeltert hat. Geschmäcker sind verschieden, aber ich war ganz froh, dass ich Autofahren musste und es bei einem Glas belassen habe. Und noch ganz von Wein und dem Charme des alten Montenegriners eingelullt wähnten wir uns schon wieder in der unberührten Idylle. Bis unser Gastgeber uns dann die Rechnung über 15 € für den Wein vorgelegt hat. Von wegen Gastfreundschaft, Freundlichkeit und… Der bittere Nachgeschmack dürfte jedenfalls nicht vom Trinken geblieben sein…

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