Wien geht weiter…

Die Nacht war eine lange gewesen, aber wenn’s denn so schön war im Alt Wien. Ich gestehe, ich habe keine Ahnung mehr wie die netten Menschen hießen, die zwischendurch ins Kino verschwunden waren um sich dann wieder an unseren, oder den Nachbartisch zu gesellen. Nur gut, dass auf Samstag Sonntag folgt. Ausschlafen, das schlechte Wetter schlecht sein lassen. Und um 14 Uhr ins stylische Wien eintauchen. Motto am Fluss heißt das dann. Dort war ich schließlich mit Barbara verabredet. Ihres Zeichens Kulturmanagerin und Modedesignerin. Kennen tun wir uns seit Jahren, aus unserer gemeinsamen Zeit bei der Viennale. Die geht ja im Übrigen auch bald wieder los. Aber das dürfte niemandem verborgen bleiben, der sich in diesen Tagen durch Wien bewegt. Zurück zum Motto am Fluss. Man könnte sagen, es seien die Schönen und Reichen, die dort verkehren. Zugegeben, ist ist ganz hübsch. Glas rundherum, Musik aus jener Zeit, zu der ich gerade nach Wien gezogen war. Durchaus vielversprechende Karte. Wir haben uns dann für Chai, Karottenkuchen und einen Muffin entschieden. Einen Chai bitte – Bio-Chai? So ließ sich der Dialog mit dem Kellner an. Ja, es tut mir auch leid, dass ich als Normalsterblicher Deine Zeit zu vergeuden trachte. Ja, Bio-Chai soll es also sein (es steht auch kein anderer auf der Karte). Die zwei Tassen kamen dann auch recht fix. Untermalt immer noch von der Musik von vor 15 Jahren, die immer so ein wenig zu laut war, um in ein Café passen zu wollen. Ich musste dann leider nochmal fragen, ob wir denn auch bestellten Kuchen erwarten dürften. Der Tee war dann nämlich bald schon getrunken. Ja, kommt ja gleich. „Es tut mir leid, war wohl mein Fehler“ hätte ich am liebsten geantwortet. Aber ich wollte ja niemandem zu Nahe treten. Außerdem kam gerade die Sonne raus. Nach zwei Tagen Wolken und Regen plötzlich Sonne. Strahlend blauer Himmel. Einfach nur perfekt für Sonntag Nachmittag. So wird auch der Donaukanal auf den man blickt, gleich deutlich freundlicher. Auch wenn Wien bekanntlich schon lange nicht mehr an der schönen blauen Donau liegt.

In jedem Fall lässt es sich dort schon aushalten, am Fluss. Zumal in netter Gesellschaft. Wenn man dem dann noch einen Abstecher ins neu kuratierte MuMoK im Museumsquartier folgen lässt, um so besser. Denn das macht auch wirklich Spaß. Kein Leitsystem drängt sich auf, die Kunst hat Platz und Zeit. Die Menschen sind unaufgeregt und neugierig. So kann man in zwei Stunden wunderbar die ober- und unterirdischen Stockwerke erkunden. Picasso. Ganz oben. Wiener Aktionismus ganz unten. Eine bunte, schräge, spannende Welt irgendwie, irgendwo dazwischen. Also mir hat Museum schon lange nicht mehr so viel Spaß gemacht.

Und schließlich… Ja. Ganz wichtig. Was wäre Wien ohne Rebhuhn. Ein Beisl an der Ecke Porzellan- / Berggasse. Die Berggasse kennt man ja – von Sigmund Freud und dem dort heute beheimateten Museum. Das Rebhuhn kennt man auch. Oder sollte man zumindest. Wegen des tollen Essens, der Atmosphäre, dem wirklich fairen Preis-Leistungs-Verhältnisses, weil ich da seit Jahren hingehe und bei der damaligen Wiedereröffnung jeden Abend da war. Und weil die Geschichte dazu so nett ist. 7 oder 8 Jahre wird es jetzt wohl her sein. Da fuhr eine junge Wienerin, inzwischen nach Berlin gezogen, nach Wien. Sie wollte ihrem Vater dabei helfen, das Lokal abzuwickeln, dessen Pächter sich verabschiedet hatten und das eben dem Vater gehörte. Viele Jahre lang hatte die Familie das Beisl in der Berggasse selbst betrieben. Die junge Frau war sozusagen dort aufgewachsen. Sie also ab nach Wien und mit Papa ins Lokal. Was dann kam, war so nicht geplant. Ich weiß nicht wie sie das Gefühl beschreiben würde. Wehmut? Inspiration? Herausforderung? Ihr ahnt es wohl schon. Sie ist nur mehr kurz nach Berlin zurückgekehrt. Um ihren Job bei Sat1 aufzugeben, ihre Wohnung aufzulösen und in Wien als Wirtin das Rebhuhn aufzumachen. Gekocht hat zu Beginn einer ihrer Freundin, seines Zeichens Fotograf. Aber seine Topfenknödel sind unübertroffen. War in den ersten Wochen stets nur ein paar Stunden geöffnet, waren es irgendwann Tage, irgendwann kam die Mittagszeit dazu. Und nach 2 Jahren konnte die junge Frau dann wohl auch davon leben. Ein Geheimtipp ist das Rebhuhn aber immer noch. Wohl auch, weil dort nur Wiener verkehren. Menschen unterschiedlicher Herkunft, mit unterschiedlichen Ansprüchen an das Leben und die Welt. Aber eines eint sie: Sie lieben das Rebhuhn. So wie ich auch. Ein G’Spritzter, ein Spinatsalat oder Knödel mit Ei. Nur nicht zu viel, weil am Ende muss es noch ein Beerentiramisu sein. Um so schöner, wenn man auch das mit netten Menschen teilen kann, wie ich das am Sonntag gemacht habe. Und schon ganz oft, zu ganz vielen Anlässen. Nur bitte nicht weitersagen – es soll schließlich mein ganz persönlicher Geheimtipp bleiben…

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