Von Sophia Loren und Mundgeruch – im Hotel Crna Gora in Podgorica

Podgorica bei NachtAus dem Kosovo haben wir uns dann verabschiedet, bestiegen am schon bekannten Busbahnhof wieder einen Bus und machten uns auf in Richtung Montenegro. Es war eine lustige Fahrt – mit 5 Stunden kosovarischer Volksmusik, einem schneebedeckten Pass und einem Grenzübergang, bei dem ich unvermittelt an Heidi und Ziegenpeter denken musste. 5 Stunden hieß es, würde die Reise dauern. Gegen Mitternacht wären wir in der nächsten Hauptstadt, in Podgorica, angekommen. Nicht zuletzt dank dreier ausgedehnter Pausen hatten wir das Vergnügen, 7,5 Stunden im Bus zu verbringen. 2 Uhr zeigte die Uhr schließlich, als wir am Busbahnhof abgeladen wurden. In einer Stadt, die mich im Dunklen, bei angenehm warmen Temperaturen und nach Stunden im Bus verblüffend an Tel Aviv erinnerte.

Empfang I'm Hotel Crna Gora in PodgoricaWir machten uns also auf in Richtung Hotel. Crna Gora nennt es sich ganz selbstbewusst, wie Montenegro sich selbst nennt. Im Reiseführer hieß es, die Einwohner von Podgorica sehen es als Zentrum der Stadt. Das klang sehr vielversprechend. Eine große Überraschung erwartete uns in jedem Fall. Denn deutlich sichtbarer als das Hotel ist heute das angeschlossene Casino. Das sollte uns aber auch nicht stören. Als rein, in die riesige Marmorhalle, ausgelegt mit dicken roten Teppichen und einer beeindruckenden Doppeltreppe im Zentrum. Der gute Herr an der Rezeption hatte allerdings von seinen Vorgesetzten den unmissverständlichen Auftrag erhalten, unter keinen Umständen zu lächeln oder freundlich zu sein. Man soll auch um 2.30 Uhr morgens zu viel erwarten, wenn man in einem Hotel ankommt. Immerhin habe ich auf die Frage nach einem Late Check Out erfahren, das müsse ich bitte seinen Boss am nächsten morgen fragen. Wir haben es dann sein lassen.

Speisesaal im Hotel Crna Gora in Podgorica

Aber zurück zum Hotel. Es atmet Grandezza, aus jeder Pore. General Tito hat immer dort gewohnt, wenn er im damaligen Titograd war. Sophia Loren ist über die beeindruckende Treppe durch das Haus geschwebt. Es hat Größe, es hat Stil, es vermittelt Historie und erzählt die Geschichte einer Zeit, in der vieles anders war. Wäre da nicht, der Zahn der Zeit. Der Zahn scheint Karies zu haben, der Atem riecht verbraucht, nach Zigaretten und Magensäure. Im übertragenen Sinn. Die Treppe bröckelt, die Teppiche sind schäbig, die Sofas sind durchgesessen, die Vorhänge seit Jahren nicht mehr gewaschen. Das Radio am Zimmer funktioniert nicht, in der Badewanne fehlt das Weiß und man steht auf rauem Metall. Im Speisesaal, wir waren die einzigen Gäste, war immer noch Personal in schwarzem Anzug, in schwarzen kurzen Röcken mit weißen Schürzchen und Häubchen zu gegen – fünf Mitarbeiter. Ihre Aufgabe? Unter keinen Umständen lächeln oder freundlich sein, unter keinen Umständen mit den Gästen interagieren, sich auf serbisch darüber unterhalten, woher die Gäste wohl kämen und ob sie hoffentlich bald wieder weg wären – und vor allem, um Punkt 10 Uhr das Frühstücksbuffet abräumen. Schließlich sollten die Gäste wissen, dass sie bitte wieder gehen mögen. Soll ich erwähnen, dass ich nicht nach Late Check Out gefragt habe?

Das Hotel Crna Gora ist tatsächlich das Zentrum von Titograd. Ein Glück nur, dass Titograd heute Podgorica heißt. Eine charmante kleine Stadt – und wer essen gehen möchte, ich kann da ein Lokal empfehlen, in dem waren. Tolles Gulasch, zuvorkommendes Personal und der Chef persönlich hat sich auch noch um ins gekümmert. Der Ausblick, zugegeben, war … interessant. Zwischen irgend einem Ministerium und nicht mehr ganz taufrischen Wohnhäusern ist es gelegen. Aber die Terrasse ist groß, die Bäume sind grün, es ist unglaublich entspannend ruhig dort. Und wie gesagt: das Gulasch. Den Namen des Restaurants hätte ich mir nicht gemerkt. Da habe ich einfach die letzte Quittung fotografiert. Restoran Radovce hieß es, sagt mir mein Erinnerungsfoto. Trg Balsica. Grüßt die netten Kellner und lasst es Euch schmecken!

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