Tage in den Bergen – Schladming, Ramsau und Dachstein

Diesmal war es also Österreich – mal wieder. Schladming war angesagt, Steiermark. Bekannter ist die Gegend ja im Winter. 2013 wird sogar die Alpine Ski-WM dort über die Bühne gehen. Wie sieht’s dort aber im Sommer aus? Am Salzburger Flughafen begrüßte uns ein strahlend blauer Himmel. Perfekter Anfang. Die Busfahrt nach Schladming durch grüne Täler, vorbei an den ersten blumengeschmückten Bauernhöfen und immer rein in Richtung Berge. Unser Ziel: das AQI Hotel, direkt gegenüber des WM-Zieleinlaufs in Schladming.

Mitten in der traditionellen steirischen Landschaft also ein modernes Haus. Spannende Idee. Klare Linien, einfache Einrichtung, nur das wirklich Nötige ist im Zimmer. Das Personal ist, naja, nennen wir es mal bemüht. Der stehende Satz war zwar „Das geht leider nicht“ – aber er wurde immer recht freundlich vorgebracht. Wer im Winter kommt, findet ein Hotel, das von der Lage her kaum zu übertreffen ist. Vielleicht kann’s im Sommer beim nächsten Mal aber ja doch etwas Traditionelleres mit etwas mehr Charme sein.

Aber zurück zur Lage. Die ist auch im Sommer von wirklich großem Vorteil. In zwei Minuten sind wir nämlich drüben an der Talstation. Und von dort geht’s mit der Gondel rauf auf 1.800 Meter. Sommer in den Bergen macht schon Spaß. Wir steigen unten bei 27 Grad ein und oben bei 15 Grad wieder aus. Einmal tief durchatmen. Man könnte in Berlin fast vergessen, wie frische Luft riecht. Ein entspannter Spaziergang zur nächsten Alm erinnert uns auch daran, wie imposant Berge sein können. Irgendwie bekommt da die Idee des sich „Ganz-Klein-Fühlens“ plötzlich wieder echte Bedeutung. Könnte ich mir erinnern, wie die Alm hieß, ich würd’s Euch ja verraten. Aber von der Bergstation der Planai-Bahn ist sie kaum zu verfehlen, versprochen. Wir haben’s an dem Abend speziell gut. Es ist Sommersonnenwende. Vor der Hütte wird Feuer gemacht – und ringsum an den anderen Hängen, vor den Hütten, auf den Bergen. Überall leuchten die Feuer auf und lassen uralte Traditionen lebendig werden. Wie war das mit St. Martin? Oben leuchten die Sterne und unten leuchten wir. Und heute nur noch, weil es schön ist. An einem so schönen Fleck mag schließlich niemand an Geister glauben.

Der Abend gilt dann dem Schladminger Nachtleben. Erfreulicherweise gibt’s das auch im Sommer tatsächlich. Gut, es ist nicht Berlin. Aber immerhin haben wir uns durch drei Kneipen probiert. Erst ganz zünftig in die Tenne, dann in den CultClub und das letzte Bier bei Papa Joes. Da war dann auch für jeden Geschmack etwas dabei und die Jungs und Mädels waren überall durchwegs freundlich da drin. Egal ob sie 16 oder 67 waren .-).

Jetzt wäre hier Platz um über Frühstück im Hotel zu schreiben. Machen wir’s kurz: Schon okay. Also lieber wieder rauf auf den Berg. Diesmal von Ramsau aus. Und auch gleich ein paar Meter weiter. 2740 Meter waren das Ziel. Eine Kollegen aus der Steiermark hatte uns den Tipp gegeben, wir sollten unbedingt auf die Seethalerhütte. Na wenn sie das sagt. Also in der Ramsau rein in die Gondel, nichts für Menschen mit Höhenangst, und rauf auf den Berg. Dachstein. Achja, und der ist ein Gletscher. Auch wenn wir das wissen, irgendwie ist es schon immer wieder ein Erlebnis. Oben ausgestiegen kommen uns die ersten Skifahrer entgegen. Es hat 11 Grad, die Sonne scheint, es ist Sommer, die Leute fahren Ski. Das kann die Welt schon wieder ein wenig durcheinander bringen. Und das ist auch gut so. Wir also wieder los, rein in den Schnee und auf zur Hütte. Eine gute Stunde wandern wir, genießen die Sonne, freuen uns über Sommer und Schnee. In dieser Höhe, in dieser Ruhe, bei diesem Wetter wird einfach mal der Kopf wieder so richtig frei.

Und die Kollegin hat nicht zu viel versprochen. Eine schon fast verwunschene Hütte kurz vor dem Abhang. Ein wieder mal atemberaubender Blick, klare Luft, ein Steinadler zieht seine Kreise. Der Moment in dem wir uns fragen, ob wir wirklich gestern noch in Berlin waren… Jetzt darf natürlich eine Stärkung auch nicht fehlen. Verhackertbrot und Zirbenschnaps. Schmeckt hier oben noch viel besser. Und eigentlich ist das ganz klassisch ein Tipp, den man eigentlich für sich behalten sollte. Oder wie lange bleiben Geheimtipps sonst Geheimtipps? Wie auch immer, ein Schnaps ist aber auch genug, Sicherheit geht am Berg schließlich immer noch vor.

Der Abend lässt uns glücklich und zufrieden ins Bett sinken. Einmal wollen wir schließlich noch rauf. Und das wieder aus der Ramsau. Praktischerweise gibt’s die Schladming-Card ja auch zur Übernachtung dazu. Da ist Busfahren gratis dabei. Diesmal geht’s schon bei der Talstation in der Ramsau los. Ziel: Brandalm. Über grüne Wiesen, vorbei in lustig sprudelnden Bächen und recht zufrieden aussehenden Kühen geht’s wieder eine gute Stunde durch die Steiermark. Alles ist grün, alles blüht, die Vögel zwitschern. Langsam wird’s wirklich fast kitschig. Und dann um die Ecke gebogen und die Brandalm liegt vor uns. Am Hang gelegen, direkt unterhalb des Bergs und mit einem Blick über die Täler, Wälder und Wiesen. Ich kann schon verstehen, warum manche Menschen das Gefühl haben, sie müssten einmal im Leben einen Sommer lang Senner sein. Wir wollen’s aber mal nicht so weit treiben. Sind schon mit dem gespritzten Most zufrieden, spielen mit dem Hund des Hauses und freuen uns über die Hausherrin, die uns mit Suppe, Salat und Gebratenem aus der Küche versorgt. Als draußen vor der Hütte die Sonne langsam hinterm Berg versinkt bleibt nur noch die Frage: Wie? Jetzt schon? Aber wir wollen ja auch noch zurück. So verlockend die Kuschelhütte gleich nebenan auch sein mag.

Jaja, jetzt schon. Einmal noch schlafen und dann geht’s auch schon wieder durchgelüftet, leicht gebräunt, sehr zufrieden und erholt zurück. Wer hätte gedacht, dass die Berge so nah an Berlin sind?

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