Ruhe zwischen Haff und Meer

Vier Tage Ruhe sollten es werden. Wir hatten lange gesucht, B und ich. Es ist ja Hauptsaison aber wir wollen trotzdem raus. Thüringen oder Meer? Oder zumindest in die Nähe des Meeres. Also in jedem Fall Urlaub in Deutschland. Und weil Sommer und Meer sich so gut ergänzen, sollte es Meer werden. Ostsee? Die ist doch von Berlin aus so gut zu erreichen. Langes Suchen, zwei Versuche gescheitert – einmal schon voll und einmal mit Umziehen nach der ersten Nacht. Dazu bin ich dann doch zu bequem. Ich will doch nur morgens aus dem Haus und barfuß durch den frischen, taunassen Rasen laufen. Und B will ans Meer.

Durch Zufall fanden wir in einem Reisebericht über die Radstrecke von Berlin nach Usedom einen Kommentar, in dem jemand dazu einlud, doch bei Gelegenheit bei ihm und seinem Mann Zwischenstation zu machen. Auf die Website gekuckt. Sieht gut aus. Findet auch B. Angerufen und die Auskunft erhalten, dass sie ja eigentlich nicht für nur 3 Nächte vermieten würden. Aber für uns machen sie eine Ausnahme. Es sollte eine ganz wunderbare Ausnahme sein. Und Stettiner Haff klingt ja irgendwie auch ganz spannend.

Der Urlaub beginnt also mit einem entspannten Frühstück bei Hilde gleich um die Ecke. Eingepackt habe ich alles, was sich im Kühlschrank noch so fand und grade noch in den großzügigen Kofferraum des kleinen Smart passte. Und so gegen elf geht es dann los. Raus aus der Stadt, auf die Autobahn und – nimm dir Essen mit – einmal quer durch Brandenburg. Entspannt und ziemlich bald von Radio Ostseewelle begleitet, heißt unsere erste Station Ueckermünde. Süße kleine Stadt mit kleinem Hafen, hübsch renovierten Häusern und Kirche. Mit Kirchen kann man B ja immer locken. Aber wie spricht man die Stadt jetzt eigentlich aus? Uckermünde oder Ückermünde? Es gibt dazu ja sogar einen Eintrag bei Wikipedia – aber der macht mich auch nicht schlauer. Wir gönnen uns also den zweiten Kaffee des Tages am zentralen Platz und sind gleich das erste Mal positiv überrascht. So unglaublich freundlich diese Menschen da im Nordosten. Bis hierher: Guter Start. Also kann es jetzt auch weiter ans eigentlich Ziel gehen: Mönkebude.

Mal eben sechs Kilometer von Ueckermünde entfernt liegt Mönkebude am Stettiner Haff. Ein kleines Dorf, klassisches Straßendorf, mit Baustoffhandel, Supermarkt, Campingplatz und drei Kneipen. Für 700 Einwohner gar nicht so schlecht, wenn ich da an mein Heimatdorf denke. Wir wollen zu Frühauf und Fordham ins Pommersche Runddorf 8. Es erwartet uns eine kleine Siedlung mit Fachwerkhäusern. Sauber, schöne Gärten, ruhig und alles noch ziemlich neu. Da sag mir noch eimal wer was von wegen Osten. Es erwartet uns dann auch schon der erste unserer Gastgeber. Crispin. Schon seinem Dialekt ist anzuhören, dass er nicht ursprünglich aus der Gegend kommt. Er klingt eher wie Bayrisch mit englischem Akzent. Das trifft es dann auch ganz gut. Das Willkommen ist herzlich – mit Putzeimer in der Hand. Das Häuschen ist gerade fertig geputzt. Und was soll ich sagen? Wir sind sehr, sehr angetan. Wie wir später lernen sollten, war es ursprünglich als Hauswirtschaftstrakt und Sauna geplant. Aber irgendwann haben Crispin und sein Mann Joachim es dann ausgebaut. Unten eine voll ausgestattete Küche und Essbereich, oben ein großes Wohnzimmer mit zwei Sofas und ein Schlafzimmer mit riesigem Bett, Schränken und einem dritten Sofa (man weiß ja nie). Und nicht wie so oft, in hübschem Gelsenkirchener Barock. Viel helles Holz, offene Treppe, offen liegende Balken, Fußbodenheizung im neuen Bad. Geschmackvoll und sehr gemütlich. Der Blick streift über Felder, Wald weit in die Landschaft. Und über die Küche kommt man in den Garten. Vielleicht ist Garten auch untertrieben. 4.000 qm mit Rasen, Bäumen, Gemüse, Blumen. Angelegt vor vier Jahren und schon jetzt eine Augenweide. Und ja. Morgens direkt nach dem Aufstehen laufe ich barfuß raus ins taufrische Gras. Herz, was willst Du mehr.

Am ersten Tag gibt’s dann nach der Anreise auch nicht mehr viel. Einen Spaziergang durch’s Dorf, runter zum Wasser, durch die kleinen Straßen, Brot beim Bäcker holen, für’s Frühstück im Supermarkt einkaufen. Nachdem das Wetter beschließt zwar freundlich aber frisch zu sein, nochmal kurz nach Hause und um 20 Uhr an den Hafen. Dort spielen nämlich die Mönkebuder Musikanten auf. Den Altersdurchschnitt senken wir mal recht deutlich. Aber die Musikanten sind überraschend gut, die Zuhörer haben Spaß und nach dem ersten Bierchen bin ich dann auch ganz entspannt. Und hungrig. Abendessen ist angesagt. Schließlich machen die drei Kneipen um 22 Uhr zu. Wir entscheiden uns für den Goldenen Löwen. Keine falschen Ideen – es ist kein Chinarestaurant. Bodenständige Küche mit Fisch, Schnitzel, Würzfleisch, Soljanka. Vor allem aber schon wieder unglaublich freundliche Bedienung. Ein klein wenig spröde und erst zurückhaltend. Aber nach der Bestellung bringt uns die Chefin gleich mal ein Spiel, damit wir die Wartezeit überbrücken können. Zwischendurch kommt sie immer auf ein Schwätzchen und kann mich nach dem Essen sogar von Kümmelschnaps überzeugen. Dass das Essen okay, bei weitem aber kein kulinarischer Höhenflug ist, kümmert da nicht mehr so wirklich.

Der Rest des Abends gehört dann den beiden Sofas im Wohnzimmer und Büchern, die wir aus dem Bücherregal im Haus leihen. So viel Ruhe, so wenige Menschen, so viel Nichts. Das dürfte ich an diesem ersten Tag B gegenüber wohl öfter erwähnt haben. Genau so etwas wollten wir ja. Aber so direkt aus Berlin raus, brauche ich dann doch ein wenig um mich umzustellen.

Mal schauen, was die nächsten Tage bringen. Und zum Abschluss ein kleiner Beitrag mit den Mönkebuder Musikanten. Viel Spaß!

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