Reise durch Mitteldeutschland – Teil 2: Wartburg und Eisenach

Unser zweiter Tag in Thüringen also. Gefrühstückt wird heute am Balkon mit Blick auf das Neubaugebiet von Wenigenjena und den Jentower im Hintergrund. Das Grau der Häuser zeichnet sich im Himmel weiter und scheint sich auch auf die Stimmung der unten vorbeilaufenden Menschen auszuwirken. Wir fragen uns noch, ob es da einen tatsächlichen Kausalzusammenhang gibt, aber begeben uns ohne eine Antwort gefunden zu haben auf den Weg gen Westen.

Unser Ziel: Eisenach. Genauer: die Wartburg. Wir nehmen die Autobahn, vorbei an Weimar, bekommen noch aus der Ferne Gänsehaut beim Blick auf das Mahnmal von Buchenwald.Wie nahe sich Gut und abgrundtief Böse manchmal sind…

Ein Stück nachdenklicher geht die Fahrt weiter. Rund 80 Kilometer bringen wir hinter uns, bevor wir in Eisenach ankommen. Hübsch, ist das erste, was mir dazu einfällt. Gut erhaltene Altbauten, kleine Villen, viel Grün. Wir wollen zur Wartburg – die Straße hinauf ist gesperrt. Macht nix, wir nehmen den Parkplatz im Tal. Ein Shuttle-Bus bringt uns für ein paar Euro direkt nach oben. Dort scheinen sich alle Touristen Thüringens versammelt zu haben. Großeltern, Großfamilien, Busgruppen, …

Kein Frage, die Wartburg ist hübsch. Sie wird auch gerade für das große Jubiläum noch herausgeputzt. Unvorbereitet wie ich bin, überrascht mich auch der Aufbau – sie ist ja vielmehr ein ganzes Dorf als eine Burg. Gemeinsam versuchen wir die Liste der bedeutenden historischen Persönlichkeiten aufzustellen, die mit ihr verbunden sind. Elisabeth von Thüringen, Martin Luther, Goethe, Franz Liszt, der Teufel.

Zu merken ist das heute irgendwie kaum mehr. Wer parken will, muss natürlich Eintritt zahlen. Wer hinein will, muss natürlich Eintritt zahlen. Wer auf den Turm will, muss natürlich Eintritt zahlen. Im Shop gibt es Bücher, Bilder, Alkohol, Mittleralterkostüme, … Ob Luther hier die Ruhe für die Bibelübersetzung fände, oder der Teufel noch Lust hätte, ihm hier zu erscheinen? Ich bezweifle es.

Zu Fuß machen wir uns durch den Wald auf den Weg zurück zum Auto. Nett, so ein kleiner Waldspaziergang. Eine gute halbe Stunde wandern wir entspannt und abseits des Wartburg-Trubels Richtung Eisenach zurück. Der Weg führt uns auch am Reuter-Wagner-Museum vorbei. Ich lerne natürlich mal wieder viel zu spät von Herrn Professor, welchen Rang dieses Haus hat. Es wäre wohl ein Grund wiederzukommen.

Zum Abschluss lassen wir uns noch ein wenig durch Eisenach treiben. Hübsche kleine Straßen, Kirchen, Rathaus. Eine Fußgängerzone in der nichts fehlt, was es in jeder anderen kleinen deutschen Stadt ebenfalls gibt. Was Eisenach heute wohl ohne Wartburg wäre? Man könnte sich in der „automobilen welt eisenach“ immerhin noch über den Autobau in der Stadt informieren. Wie das Auto wohl geheißen hätte, wenn es die Wartburg nicht gegeben hätte? Mit diesen Fragen im Kopf machen Frau Doktor und ich uns auf den Weg über die Landstraßen nach Gotha. Der nächste klingende Name.

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