Reise durch Mitteldeutschland – Teil 1: Jena

Seit fast 8 Jahre lebe ich mittlerweile in Berlin und seit beinahe genau so langer Zeit will ich nach Thüringen fahren. Klingende Namen wie Jena, Gotha, Weimar, Eisenach. Durchfahren war bereits, aber jetzt will ich mehr.

Die erste Station heißt Jena. Praktischerweise hat Herr Professor dort eine Wohnung, die er in den Ferien nicht nutzt. Frau Doktor und ich nehmen also das Auto und die gute Frau von Google Maps weist uns den Weg – über die Autobahnen von Berlin gen Südwesten. Und während dessen überlege ich, was mir zu Jena einfällt. Universität. Glas. Zeiss. Zugegeben, nicht so viel.

Und was soll ich sagen? Vielleicht hätten wir doch auf das neue Semester warten sollen. Wir kommen abends an. Das Leben auf den Straßen ist überschaubar. Um es nett zu sagen. Dabei gäbe es ja 100.000 Menschen, die sie bevölkern könnten. Wir machen also einen kleinen Spaziergang, nehmen einen Drink im Schillerhof und freuen uns auf den nächsten Tag. Urlaub soll ja auch entschleunigen.

Der Tag beginnt regnerisch, aber mit tollem Frühstück. Empfehlenswert: Stilbruch. Hier sind sie endlich, die Menschen. Jung und alt, bunt gemischt. Schöne Auswahl an Frühstück und entspannte Stimmung. So sitzen wir in der Wagnergasse, kommen langsam an und lassen den Regen auf der Markise über uns Regen sein. Beste Vorbereitung für den Spaziergang durch die Stadt. Der führt uns vorbei am Jentower, an St. Michael, dem Planetarium (das natürlich montags geschlossen ist), der Schillerkirche (es heißt, Schiller habe hier geheiratet), über die Camsdorfer Brücke und ein Stück die Saale entlang, zu Schott. Angeblich hat Schott  Werksverkauf – wir jedenfalls sind nicht schlau genug, den auch zu finden.

Zugegeben in der falschen Reihenfolge kommt ein Zwischenstop bei der Touristeninformation. Wir holen uns ein kleines Büchlein um herauszufinden, was wir noch sehen wollen. Wir stellen fest: wir haben Jenas Sehenswürdigkeiten gesehen. Jetzt schon. Nur… was machen wir bloß die restlichen 5 Stunden des Tages?

Shopping. Weil: Wenn Schott uns nicht will, wollen wir Kahla. Ist ja auch gleich um die Ecke. Ganz unspektakulär empfängt uns der Fabriksverkauf mit 1. und 2. Wahl an Kahla Porzellan. Schöne Dinge, etwas, sagen wir, gewöhnungsbedürftige Dinge. Dinge, die die Welt nicht braucht. Aber widerstehen ist schwer und so machen sich alsdann zwei Salatschüsseln, eine Kaffeetasse und zwei unentbehrliche, längliche Platten auf den Weg zurück nach Jena um alsbald nach Berlin zu ziehen.

Aber nicht, bevor wir dem zweiten Fabriksverkauf einen Besuch abgestattet haben. Wir steigen aus dem Auto und ein Geruch nach Weihnachtsbäckerei empfängt uns. DeBeukelaer. Brauchen wir nicht dringend Prinzenrolle, ein Kilo Jaffa Cake oder Oreos? Naja, eigentlich nicht, aber wenn’s doch so günstig ist. Nur gut, dass man auf die Bikini-Figur zu achten hat. Wir sind also nett zu uns und anderen, kaufen eine Packung Wurzener Erdnuss Flips für C und einen 3 Kilo-Sack Kekse für alle anderen Zu-Hause-Gebliebenen. Die dürfen selbst auf ihre Figur achten.

Mittlerweile ist es auch schon 17 Uhr. Der Tag fast überstanden. Und abends? Im Schillerhof fangen die Filme zu früh an, das schaffen wir nicht mehr. Also in eines dieser Plex-Kinos. Was man so alles macht, außerhalb der Großstadt. Und ohne es zu wissen, machen wir am Nach-Hause-Weg noch Zwischenstop in einer historischen Institution. Das Gasthaus Grüne Tanne. Der Gebackene Knödel den es zu den Pfifferlingen gibt liegt mir gefühlt immer noch im Magen. Des Essens wegen würde ich also nicht mehr hingehen. Aber immerhin – hier wurde die „Urburschenschaft“ gegründet und mit ihr wurde die heutige deutsche Flagge in Schwarz-Rot-Gold hier geboren. Auch wenn wir das erst zu Hause lernen.

Irgendwie fühlt sich Jena seltsam an. Historischer Boden. Trotzdem irgendwie beengt. Jetzt schlafen gehen. Morgen geht’s nach Eisenach.

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