Mazedonien, Ohrid, Georgina und Marschall Tito

Ich hatte ja erwähnt, ich wollte noch etwas zu Ohrid sagen. Nachdem wir dort kein Netz hatten, habe ich es einfach hinten angestellt. Jetzt aber…

alte Gebäude in MazedonienOhrid (gesprochen Ochrid) war auf unserer Reise die Zwischenstation von Tirana nach Skopje. Und Zwischenstation trifft es auch perfekt. Ohrid liegt am gleichnamigen See, der zum Teil zu Albanien, zum größeren Teil zu Mazedonien gehört. Der See ist Jahrmillionen alt und macht fast vergessen, dass man hier im Landesinneren ist. Dank ihm kommt fast maritimes Gefühl auf. Wir hatten uns über airbnb wieder einmal eine Wohnung gemietet – mitten in der malerischen Altstadt, die seit den 80er Jahren UNESCO Weltkulturerbe ist. Sie ist wirklich hübsch anzusehen. Backsteinbauten, enge Gassen, unzählige Kirchen und – der See. Am gegenüberliegenden Ufer bewaldete Hänge die nach oben in Nebel und Schnee verschwinden. Malerisch. Die Stadt liegt auf 700 Metern. Vielleicht liegt es auch daran, dass es reichlich kühl ist. Oder hat es mit dem Nieselregen zu tun? Nach etwas Suchen finden wir unseren Gastgeber. Ihr hat ein Haus – unten Juwelierladen, oben wohnt er und vermietet eine Wohnung. Im Kamin hat er schon einmal Feuer gemacht. Die Wärme freut uns – dass der Abzug nicht gut funktioniert, führt zu dem einen oder anderen Hustenanfall.

Nachdem die Zimmer verteilt sind, machen wir uns auf die Suche nach Abendessen. Es ist Vorsaison. Offensichtlich. Die Auswahl ist überschaubar. Dafür werden wir mit einem Spaziergang durch die Stadt belohnt. Ja, malerisch… Aber. Es drängt sich ein Disneyland-Vergleich auf. In die alten Gemäuer sind Juweliere, Souvernierläden, Pizzerien, Bars eingezogen. Die Promenade besteht aus einem Hotel neben dem anderen. Noch sind die meisten davon geschlossen. Am „Hauptplatz“ steht eine riesige LED-Wand die einen Werbespot nach dem anderen zeigt. Schließlich finden wir doch noch ein offenes Restaurant. Umgeben von Dänen, Schweizern und Österreichern bestellen wir. Fisch, Salat, Wein. Das Essen ist gut, der Kellner zurückhalten freundlich. Wie üblich probieren wir uns durch das Essen der Anderen. Schmeckt – meine geräucherte Forelle ist mir einzig ein klein wenig zu trocken. Anders als in Albanien gibt es keinen Rakij als Geschenk des Hauses, dafür zahlen wir ungefähr pro Person so viel, wie wir sonst für fünf bezahlt haben. Ja, Ohrid ist eine Hochburg des Tourismus – auch in der Vorsaison.

Blick auf den OhridseeAm nächsten Morgen gibt es noch ein schöne Überraschung. Nicht nur, dass die Sonne rauskommt und wir auf der Terrasse mit Blick auf den See stehen, die Mutter unseres Vermieters bringt auch noch einen Gast mit. Ihr Name ist Georgina. Georgina und ihr Mann haben 29 Jahre in Berlin gelebt, in der Belzigerstraße 29 in Schöneberg. Sie ist so froh, jemanden aus Berlin zu treffen, Deutsch sprechen zu können. Sie plaudert, lacht, erzählt wie ein Wasserfall. Von ihrem Mann, den Kindern, die noch immer in Berlin wohnen, von den Massen an Briten und Holländern, die zum Urlaub an den Ohridsee kommen. Dass es jetzt noch schön ruhig wäre. Dann die Frage: Wie findet Ihr denn die EU? Wir, überzeugte Europäer, antworten, dass wir die EU für ein gutes Projekt mit vielen Vorteilen halten. Georgina nickt überlegend. Ja, das hat schon was. In Mazedonien waren ja gestern auch Wahlen. Der konservative Kandidat liegt vorne. Alle paar Jahre sind jetzt Wahlen. So viele Parteien stehen zur Wahl. Grüne, Sozialdemokraten. Fast wie in Deutschland. Früher war das nicht so kompliziert. Zu Titos Zeiten. Da musste man nicht so oft wählen. Da gab es jemanden, der Entscheidungen getroffen hat. Und nicht die Schlechtesten. Das hatte schon was. Jetzt nicken wir, überlegend. Was sollen wir dazu auch sagen. Wir müssen ja weiter, nach Skopje.

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