Mallorcas herzlichste Gastgeberin

Schild Hotel Son Borguny

Schild Hotel Son BorgunyIhr Name ist Penny und als ich ankomme, ist ihre erste Frage: „Shall I park your car? It’s pretty tricky here.“ Das ist mal ein Ankommen. Penny führt das Hotel Son Borguny in Banyalbufar. Ein paar Anläufe brauche ich schon, um mir das zu merken. Son Borguny. Banyalbufar. Das ist sie wohl gewohnt, versucht es dafür im Gegenzug mit meinem Nachnamen. So haben wir beide einen Lacher auf unserer Seite.

Banyalbufar auf MallorcaDas Son Borguny findet sich mitten im Dorf Banyalbufar an der steilen Westküste Mallorcas. Das Dorf selbst schmiegt sich an den Hang, vom kleinen Hafen hinauf bis zu den Weinbergen und ist Heimat für 550 Menschen. Entsprechend gemächlich geht es hier auch zu – normalerweise. Nachdem ich nämlich mein Auto geparkt habe, tatsächlich Maßarbeit im Zentimeter-Bereich, bekomme ich von Penny eine Führung durch das Haus und eine Einführung in das Dorf. Das lässt die Ruhe ab dem nächsten Tag für eine Woche Ruhe sein und feiert Fiesta, das Fest zu Ehren des Dorfpatrons. Umzug, Kinderfest, Party, große Party stehen also bevor. Sie hoffe, das sei nicht zu schlimm, besorge aber in jedem Fall Ohropax für die Gäste, weil am zweiten Tag bis 6 Uhr früh gefeiert würde. Ob mich die Vorstellung von Life-Musik bis 6 Uhr früh freut, weiß ich noch nicht so genau. Die beste der drei Bands würde dann auch so gegen 4 Uhr früh auftreten. Aber von der Fürsorge meiner Gastgeberin bin ich sehr angetan.

Blick auf's Meer von Son BorgunyMein Zimmer findet sich im zweiten Stock des kleinen Hotels und über die Hausdächer sehe ich das dunkelblaue Meer – wo das Wasser aufhört und der Himmel anfängt, kann ich mehr erahnen als es wirklich zu erkennen. Ich freue mich über die vielen kleinen, liebevollen Details im Zimmer – die hübschen Armaturen im Bad, den kleinen Tisch mit den Flechtstühlen, die hübschen Fensterläden, … Irgendwie fühlt es sich an, als hätte jemand sehr viel Liebe in dieses kleine Haus gesteckt.

Zimmer im Son Borguny Zimmer im Son BorgunyDen nächsten Beweis ihrer perfekten Gastgeberschaft treten Penny, ihre Familie und ihre Mitarbeiter am Abend an. Die 8 Tische auf der kleinen Terrasse sind alle reserviert, ich bekomme aber noch einen in der Tür zur Terrasse. Kellnerin Elli schaukelt den Service ganz alleine und schafft es dabei, schnell zu sein und sehr viel gute Laune zu verbreiten. Lauer Sommerabend mit Salat, frischem Brot, Oliven, hausgemachten Chorizos und Croquettas machen mich sehr zufrieden. Als Dessert ein Gin Tonic (man serviert hier Tanquerey), gefühlt ein halber Liter.

Wegweiser MallorcaIch schlafe wie ein Baby und wache am nächsten Tag vom Geruch frischer Croissants auf. Fast wie bei Mama zu Hause. Beim Frühstück werde ich mit einem Lachen begrüßt – schon wieder von Elli – woraufhin ich frage, ob sie denn Rund um die Uhr hier arbeiten würde. Als Antwort gibt es noch ein Lachen – und einen ausgezeichneten Frühstückskaffee. Von Penny bekomme ich dann noch die besten Tipps für meine geplante Wanderung, die Beschreibung des Wegs zu einem ruhigen Aussichtspunkt und den Hinweis, dass ich erst nach 15 Uhr nach Valldemossa fahren solle – weil dann die meisten Touristen wieder weg wären. So fühlt sich Urlaub an.

Boote bei Port d'es CanongeDie Party des ersten Abends überstehe ich dank Ohropax vollkommen unbeschadet. Trotzdem bekomme ich einen fragenden Blick und ein „I hope you slept well“, als ich morgens zum Frühstück komme. Heute gibt es zusätzlich Kuchen. Penny sieht schon etwas geschafft aus – „Why do they have to celebrate 7 days?“ fragt sie. Nach einer Saison wieder der diesjährigen, kann ich die Frage sogar nachvollziehen. Ich bin ja zum Urlaub hier und hätte eigentlich lieber Ruhe. Aber so eine Fiesta ist ja auch nur einmal im Jahr. Achja, meint Penny dann noch. Die beste der drei Live-Bands träte dann um 4 Uhr früh auf… So als freundliche Erinnerung. Und am Tag danach gäbe es Frühstück erst ab 10. Sicherheitshalber.

Fiesta-Deko in BanyalbufarAm Abend ist Special-Evening im Son Borguny. Penny sieht in ihrem roten Kleid umwerfend aus. Ihr Mann kocht auf der Terrasse Paella. Davor gibt es Tintenfisch, überbackene Brote, Oliven, Aoili, … Elli schwirrt fröhlich scherzend über die Terrasse, erklärt den Gästen den Abend und die Fiesta. Sangria und Vorspeisen so viel man möchte vom Buffet. Dann Paella, es ist genug für Nachschlag da. Danach kommt das von ihr selbstgemachte Dessert – Kuchen mit Flan und Schokolade, dazu Eiscreme und Krokant. Mit den beiden jungen in Berlin lebenden Ukrainern am Nebentisch bin ich mir einig: Wie soll man nach diesem Essen noch Tanzen? Wir trinken gemeinsam weiter Sangria – in der Hoffnung, dass das hilft. Die erste Band würde um Mitternacht spielen, um 22 Uhr sind wir mit Essen fertig. Wir plaudern weiter bis 23 Uhr – dann machen wir Pause. Elli meint noch, sie würde sich jetzt mal aufmachen. Wenn wir etwas brauchten, könnten wir sie aber jederzeit holen. Wir wünschen ihr viel Spaß und sie nimmt uns das Versprechen ab, später mit ihr zu tanzen.

Natürlich finde ich sie später am Platz nicht mehr, um mit ihr zu tanzen. Und natürlich ist das dann auch das erste, was ich morgens beim Frühstück höre: „Where were you? I was waiting for you to dance with me!“ Elli hatte es bis 4.30 Uhr geschafft. Dass sie um 9.30 Uhr schon wieder im Hotel ist zum Arbeiten, macht ihr nichts aus. Dafür gibt’s schließlich Kaffee und Energydrinks. Penny taucht gegen 11.30 Uhr auf. Morgen würde sie dann Frühstücksdienst machen, damit Elli mal ausschlafen kann. Dann trinkt sie erstmal Kaffee. Ob ich denn gut geschlafen hätte? Dass ich keinerlei Beschwerden vorzubringen habe, entspannt sie sichtlich. Immerhin ist am Vortag ein Paar abgereist, weil es für sie zu laut wäre. Die Ehefrau war schwanger, ihr Mann könnte bei so lauter Musik aber sicher nicht schlafen. Penny und alle ihre Gäste hatten da auch vollstes Verständnis.

Wegweiser in BanyalbufarEs ist mein letztes Frühstück. Ich frage zum Abschied noch, ob die beiden einen Tipp hätten, welche Spezialität ich den Freunden zu Hause mitbringen könnte. Daraufhin muss ich mit Elli und einem Glas Hierbas, mallorquinischem Kräuterlikör, anstoßen. Von Penny kommt nur ein: „No alcohol for me! Not today! But normally I prefer to mix the sweet and the bitter.“ Schade, dass ich schon los muss… Das Son Borguny in Banyalbufar ist als Hotel eine wirklich selten positive Erfahrung.

Straßen von Banyalbufar Sonnenuntergang bei Banyalbufar Mallorca, Blick vom Torre del VergerNachtrag: Eine Woche nachdem ich in Berlin zurück bin, heiraten zwei Freunde von mir. Ihre Flitterwochen verbringen sie in Banyalbufar. Wir spendieren ihnen einen Abend bei Penny und Elli. Als ich bei Penny anrufe um zu fragen, ob das denn ginge, dass die beiden zu ihr ins Restaurant kämen und ich danach zahlen würde bekomme ich ein lautes, fröhliches Lachen und ein „Oh, I’m looking forward to welcoming your friends here. We will make them have a wonderful night here.“ Ich bin mir sicher, es wird genau so sein.

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