Ksamil vs. Korfu

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Wenn schon Ostern im Süden, dann müssen wir auch ans Meer – so unser Gedanke. Deshalb heißen die letzten beiden Stationen unseres Balkan-Trips Ksamil und Durrës an der albanischen Küste.

Die Überraschung ist erstmal groß, als wir am Weg nach Ksamil durch Sarandë kommen. Ein Moloch unsäglich hässlicher Bauten, wohl die Hälfte davon unfertig, wuchert den Berghang hinauf und verschlingt jedes freie Stück Land. Strand? Vielleicht um die Ecke? Ein brutales Bild, die Menschen scheinen es einfach nie zu lernen.

Ksamil ist dann kleiner, ländlicher, albanischer. Aber auch nur zur Hälfte fertig. Schönheit ist bekanntlich relativ, aber wer soll bitte Ksamil relativ schön finden??? Beim Fahrradverleih treffen wir unseren Vermietet Altin. Er ist wieder einer dieser Albaner, die sich unglaublich freundlich, sympathisch und hilfsbereit sind. Er fährt mit seinem Mofa voraus zu unserer Unterkunft. Es geht vorbei an Schlaglöchern, Rohbauten, sozialistischen Relikten und einem Haus, das der Statiker wohl nicht ganz richtig berechnet hatte. Es ist einfach nach vorne eingeknickt. Wir erwarten… Übles. Wir sind angenehm überrascht. Altin vermietet uns den ersten Stock seines neuen, gelben, hübschen Hauses. Mitten im Wohngebiet schauen wir über kleine Häuser, Gärten und hinüber aus Korfu. Das kommt noch öfter an diesem Abend. So nah ist Griechenland? Wem war das klar? Andererseits, wer möchte jetzt schon da drüben im touristisch perfekt ausgebauten Griechenland von Kaiserin Sisi sein? Nichts gegen Griechenland, aber Albanien wird immer mehr zu unserer Freundin. Immerhin nutzen wir dann doch noch griechisches Mobilfunknetz. Sehr praktisch. Da kostet ein Anruf nur 69 Cent, statt 1,29 Euro wie im albanischen. Klingt komisch, ist aber so.

Wir wandern noch in den Supermarkt. Die Frauen sprechen zwar kein Wort Deutsch oder Englisch, strahlen uns aber fröhlich an und wir verständigen uns mit Händen, Füßen, Zeichen, Stift und Papier.

Und wenn dann die Nacht über Ksamil hereinbricht… Wird es abenteuerlich. Die Straßen leeren sich, die Straßenbeleuchtung nenne ich mal rudimentär. Von den Lokalen die man bei Tageslicht sieht, ist nichts mehr zu sehen – was praktischerweise auch für die Löcher in Straße und Fußweg gilt. Wir nehmen eine Taschenlampe mit. Finden 12 Minimärkte. Überall arbeiten Frauen. Sie schauen neugierig aber nicht abweisend heraus. Daran haben wir uns in Albanien gewöhnt. Die Menschen auf neugierig, schauen, fragen gerne mal. Aber sie sind nicht unhöflich oder aufdringlich. Und die Rollen sind klar verteilt. Minimärkte sind offenbar Frauensache.

Essen finden wir aber erstmal nicht. Nur Dunkelheit. Also beschließen wir an den Strand zu gehen. Kleine Taschenlampe brenn… Aber was ist denn das? Licht! Eine Taverne hat geöffnet. Es ist das Rilinda. Von ihr hat schon Elke aus Berlin in ihrem Albanien Reiseführer geschrieben. Ja, es gibt noch Essen. Der Wirt lächelt freundlich. Natürlich. Ein Tisch ist besetzt. Eine Truppe wie wir, nur aus Bulgarien. Auf einem Roadtrip über den Balkan. Einer von ihnen hat 5 Jahre in Berlin gelebt, in Mitte. Als man sich das noch leisten konnte. Soviel erfahren wir im Lauf des Abend.

Zu Essen gibt es einmal alles was der Wirt im Angebot hat. Und Wein. Also, ein Getränk, das annähernd wie Weißwein aussieht. In der Küche steht die Wirtin. Alleine. Deshalb kommen dann auch erst Brot, dann Salat, dann Patatas, dann Spaghetti Frutti di Mare und dann erst gleichzeitig Shrimps, Oktopus und Fisch. Wir essen drei stundenlang. Draußen rauscht das Meer. Es hat angefangen zu regnen. Wir sehen die Lichter von Korfu. Das Essen ist ausgezeichnet. Albanien acht sehr viel Spaß. Auch wenn es im Regen, durch die Dunkelheit bei 6 Grad zu Fuß nach Hause geht.

6 Grad dürfte dann auch die Temperatur um Haus betragen. Heizung ist nicht. Die Klimaanlage könnte noch kühlen. Das hat den Vorteil, dass wir unser Frühstück auf der Terrasse nehmen. Weil es dort gefühlt wärmer ist. Vor unser Ksamil und Korfu. Und der Weg nach Durrës. Google maps sagt etwas von 4 Stunden. Na dann…

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