Ich sitz‘ im ICE

Es gibt ja Leute die behaupten, ich wäre kein Bahn-Freund. Sie würden sogar so weit gehen zu sagen, ich hätte etwas gegen die Bahn. Gut, ich gebe zu, ich gehöre zu den Menschen die sich über 140 Minuten Verspätung, nach Erbrochenem riechende Abteile, Sommerzüge ohne Klimanalage und Winterzüge ohne Heizung durchaus echauffieren können. Aber das mache ich auch bei Fluglinien.

Deshalb will ich heute mal eine Lanze für die Bahn brechen. Ich verbringe meinen halben Arbeitstag im ICE von Berlin nach Frankfurt. Gerade haben wir Fulda verlassen. In meinem Großraumabteil sitzen sei Berlin die gleichen Menschen. Vorwiegend Männer in Anzügen, Smartphones, Laptops oder Unterlagen bei oder vor sich. Wer telefoniert geht auf den den Gang. Es herrscht herrliche Ruhe. Ins Netz kommt man über WLAN oder Sufstick. Und draußen rauscht bei 180 km/h die Landschaft vorbei. Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Hessen. Keiner Stört beim Arbeiten, von Straßen, Wiesen, Wäldern, Bauernhöfen, Kühen, Wolken und Windrädern hole ich mir Inspiration, wenn ich gerade nicht weiterkomme. Ein wenig ist es wie im Großraumbüro. Nur viel ruhiger, friedlicher und produktiver.

Vielleicht sollte ich öfter einen halben Arbeitstag in der Bahn verbringen? Oder einfach zwischen Berlin und Frankfurt ein mobiles Büro einrichten. Frühstück Berlin. Arbeiten. Mittagessen Frankfurt. Arbeiten. Abendessen Berlin. Okay, ich will’s mal nicht übertreiben. Aber ich sitz im ICE und das war ne gute Idee. Davon abgesehen: Mit dem Flieger wäre ich kaum schneller, käme aber nicht zum Arbeiten. Vom ökologischen Fußabdruck mal gleich überhaupt nicht zu reden. Und gleich kommt die Durchsage. Sehr geehrte Fahrgäste, in Kürze erreichen wir Frankfurt Hauptbahnhof… Mal schauen, wie das Intercontinental sich so gehalten hat.

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