Hotelkritik – Sans Souci Wien

Sans_Souci_Wien_Fassade
Hotel Sans Souci Wien - Foto: Gregor Titze

Am Ende sind es oft die kleinen Dinge, die kleinen Gesten, die den großen Unterschied machen. Wie im Hotel Sans Souci in Wien. Erst 2013 eröffnet, liegt es im 7. Bezirk gleich hinter dem Volkstheater. Jetzt könnte man sagen: Das ist ja gar nicht in der Innenstadt. Aber wer ein wenig Ahnung von Wien hat sagt natürlich darauf: Im 1. Bezirk ist man in 5 Minuten und der 7. Bezirk ist ohnehin spannender.

Es ist ein Dienstag als ich direkt vom Flughafen, aus Hamburg kommend, um 19.30 Uhr das Sans Souci betrete. Was mir als erste auffällt ist der Geruch. Er erinnert mich an den Duft von Lotus – und sofort bin ich im Gedanken wieder in Bangkok. Eine schöne Erinnerung. Ein höflicher Herr heißt mich willkommen, noch bevor ich in die Nähe der Rezeption komme. Er übernimmt meinen Koffer und bietet mir ein Glas Wasser an. Eine ganz einfach Geste, die aber nach der Anreise gleich sehr viel ausmacht. Die Dame an der Rezeption begrüßt mich mit einem freundlichen Lächeln. Ich sage ihr meinen Namen, sie überträgt die Daten von meinem Personalausweis in das Anmeldeformular und erklärt mir fröhlich, man habe mich upgegradet. Wer würde da schon nein sagen. Dann fragt sie, ob ich denn gut angekommen sei – ob mit dem Auto oder mit dem Zug. Meine, der Wahrheit entsprechende, Antwort lautet natürlich: Mit dem Flugzeug. Sie, sichtlich verwirrt: Aus Steyr? Damit ich sichtlich verwirrt: Nein, aus Hamburg. Antwort: Verdammt, jetzt habe ich extra ganz vorsichtig auf ihren Personalausweis geschaut und dann… Ich erlaube mir ein herzliches Lachen, sie erlaubt sich mit zu lachen.

Hotel Sans Souci Wien - Foto: Gregor Titze

Nachdem die Formalitäten erledigt sind, bringt mich der nette Herr ins Zimmer. Er zeigt mir das, hinter einer Schwingtür verborgene, Badezimmer. Als er meinen irritierten Blick auf den überdimensionieren Spiegel gegenüber des Betts bemerkt bekomme ich ein professionelles Lächeln. Und einen Klick auf die Fernbedienung. Damit verwandelt der Spiegel sich in eine Glasscheibe, hinter der der Fernseher verborgen ist. Ich schätze, er ist 4 x so groß wie mein alter Röhrenfernseher zu Hause. Mit dem Wunsch für einen angenehmen Aufenthalt verlässt er das Zimmer und zieht die Tür leise hinter sich zu. Ja, leise.

Jetzt stellt sich die alles entscheidende Frage: Ins Spa und zum 20 Meter Pool oder doch noch eine Kleinigkeit essen? Beides ist nicht mehr drin. Die Entscheidung fällt meine Laufhose – im Gegensatz zu T-Shirt und Schuhen hat sie es nämlich nicht in den Koffer geschafft. Am Weg aus dem Haus frage ich an der Rezeption noch kurz, wie ich denn mein Hemd für den kommenden Tag bügeln könnte. Kein Problem, die Antwort der aufmerksamen Frau vom Check-In. Sie käme einfach mit, hole das Hemd und ließe es bügeln. Wir fahren also wieder nach oben, ich öffne die Tür – sie bleibt vor meinem Zimmer stehen und wartet, bis ich ihr das Hemd reiche. Noch heute könne ich es wieder bekommen.

Das tue ich auch. Als ich eineinhalb Stunden später vom Essen komme, hängt es frisch gebügelt am Schrank. Fröhlich und zufrieden werfe ich mich aufs Bett und drücke ganz gespannt einen Knopf auf der Fernbedienung. Ob der Fernseher wohl auch für mich angehen würde? Er tut es. Die Scheibe verdunkelt sich, in der Mitte kommt das Bild. Und welche Freude: Fußball. Länderspiel. Jetzt nur noch die Frage, ob das deutsche oder das österreichische? Dieses Hotel hält, was es verspricht. Ob die nur für mich Fußball zeigen? Naja, ich will mal realistisch bleiben.

Es wird eine entspannte, ruhige Nacht. Das Bett ist… fantastisch. Jetzt verbringe ich ja die eine oder andere Nacht in Hotelbetten. Aber das Sans Souci bietet höchste Schlafqualität. Ohne, dass ich ein anderes Kissen oder eine andere Bettdecke ordern würde. Einfach nur so. Und beim Aufwachen ist es natürlich ganz selbstverständlich, dass der überdimensionale Fernseher auch das Radio ist – und ich meinen Heimatsender aus Berlin hören kann. Die Laune bleibt auf hohem Niveau. Die Dusche ist durchdacht, egal ob normaler Duschkopf oder Regenwalddusche. Die Temperatur schwankt nicht, der Hahn steht schon beim Öffnen auf angenehme Wärme. Der Spiegel ist so beleuchtet, dass man sich darin auch erkennt. Die schweren Vorhänge vor den Fenstern haben den Blick auf das Museumsquartiert komplett ausgeblendet – und mich auch nur raten lassen, welches Wetter mich wohl draußen erwarten möge.

Hotel Sans Souci Wien - Foto: Gregor Titze

Es bleibt spannend – Frühstück steht an. Ich nehme den Lift nach unten und begebe mich in den Frühstücksraum. Es herrscht eine angenehme Ruhe. Zwei Restaurant-Mitarbeiter begrüßen mich freundlich, drei oder vier Tische sind besetzt. Ich geselle mich zu den beiden Kolleginnen aus Warschau. Bestelle Kaffee. Er schmeckt, wirklich. Und ich bin von meinem Morgenkaffee aus meiner geliebten Jura, mit den Cubano-Bohnen von Wacker in Frankfurt (U gilt mein unendlicher Dank, dafür, dass sie mir Wacker gezeigt hat), sehr verwöhnt. Als die Kolleginnen zum Check-Out wollen, will ich mir Essen holen. Pech. Oder Glück? Ich hatte den Kollegen aus Tokio übersehen. Eine viertel Stunde verplaudert. Frühstück wird aufs nächste Mal verschoben. Ich muss ja los. Tadelloser Check-Out, ein Lächeln, ein paar Pfefferminz für einen frischen Tag.

Hotel Sans Souci Wien - Foto: Gregor Titze

Fünf Sterne hin oder her. Das Sans Souci in Wien ist der perfekte Ort, um in einer Stadt schlafen zu gehen. Es ist auch der perfekte Ort, um in einer Stadt aufzuwachen. Es ist der perfekte Ort, um abends in der Umgebung etwas zu essen. Es ist der perfekte Ort, um morgens arbeiten zu gehen. Es ist die freundliche Zurückhaltung der Mitarbeiter. Es sind die kleinen Details und die kleinen Gesten. Ja, ich mag dieses Haus. Das nächste Mal fällt bei der Wahl zwischen Spa und Essen auch die Wahl auf Spa. Wie wohl die Residences hier so sein mögen? Sky-Maisonette klingt sehr vielversprechend. Vielleicht ergibt sich ja auch das noch einmal. Der „kleine“ Luxus zwischendurch.

Share on Facebook0Tweet about this on TwitterShare on Google+6Share on Tumblr0Share on LinkedIn0Pin on Pinterest0Email this to someone

Vielleicht gefällt Dir ja auch diese Geschichte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.