Hotelkritik: Deutsche Eiche, München

Wer viel reist, braucht auch viele Unterkünfte. Jetzt kann es privat auch eine Wohnung, eine Bar, ein Auto oder eine Bambushütte sein. Beruflich ist es dann doch meistens das gute alte (oder neue) Hotel. Und da dachte ich mir, Hotels sind doch manchmal auch eigene Beiträge wert. Deshalb machte heute die Deutsche Eiche in München den Anfang.

Ausgesucht habe ich es online. Ich wollte mit einer Kollegin einen Workshop für Reisejournalisten betreuen. In München kenne ich wenig mehr als unser Büro dort, den Hauptbahnhof und den Flughafen. Beim letzten Mal habe ich am Sendlinger Tor gewohnte. Im Motel One dort gab es keinen Platz mehr. Also habe ich mal in der Ecke gesucht und die Deutsche Eiche gefunden. Bei Tripadvisor war sie unter den Top 20 der Münchner Hotels. Preis war fair. Also gebucht für zwei Nächte.

Die Lage finde ich großartig. Um die Ecke vom Viktualienmarkt, 3 Minuten zur U-Bahn, 5 Minuten zur S-Bahn, hübsche Straße, einige Kneipen und Lokale in der Gegend. Wunderbar bunt von außen wehen die üblichen Länderfahnen – und netterweise auch eine Regenbogenfahne. Die Damen und Herren die dort arbeiten tragen alle dunkel-rosa Polos. Nicht zu übersehen, das gute Haus. Die Rezeption war erstmal nicht besetzt als ich ankam, aber ein junger Mann war nach kurzem bei mir. Willkommen, ich wäre upgegradet worden auf ein Doppelzimmer. Zimmer im 2. Stock. Frühstück von 7 bis 11 Uhr dort vorne. Guten Aufenthalt. Vielleicht bin ich ja nicht hübsch oder chique genug – aber freundlich geht anders. Und, Upgrade ist ja nett. Aber was soll ich denn mit einem Doppelzimmer? Na, egal. Man freut sich einfach über ein Upgrade und lächelt.

Was mir gleich auffiel, war die Tür neben der Rezeption. Herrensauna stand daran geschrieben. Tatsächlich gingen dort ständig Männer ein und aus. Meist mittleren Alters. Ein Schelm, der Böses denkt. Sollte man vielleicht wissen, bevor man sich einmietet. Hätte ich nicht über ein Portal, sondern über die Seite gebucht, ich hätte auch gesehen, dass dort ein angesagter schwuler Treffpunkt Münchens zu Hause ist. Und im Nachgang habe ich auch auf sueddeutsche.de & Co Artikel darüber gelesen, dass die Deutsche Eiche sogar einer der wichtigsten schwulen Treffpunkte Münchens ist. Spannend. Und ein großer Pluspunkt – weil das Publikum im Hotel trotzdem bunt gemischt war.

Das Zimmer, die Nummer 24, war wunderbar. Groß, dezent eingerichtet in dunklem Holz. Minibar inklusive – ein großer Pluspunkt – Fernseher, gratis WLan, im Badezimmer Dusche und Badewanne. Große Fenster gingen auf die Straße. Klimaanlage vorhanden. Im großen Doppelbett lag es sich nicht zu weich und nicht zu hart.

Also kurz geduscht – Duschgel, Haarshampoo, alles da. Und dann eine Runde um den Block gedreht. Läden, Restaurants, Bars. Die Auswahl ist groß in der Ecke. Ein wenig erinnert sie mich an den Prenzlauer Berg. Am Ende habe ich mich aber doch für das Restaurant Deutsche Eiche entschieden. Ich glaube, das erste Mal, dass ich in einem Hotel auch zu Abend gegessen habe. Die Kellner waren lustig, freundlich, höflich und sehr aufmerksam. Ein reines Vergnügen. Das Essen war gut. Wie der Name verspricht, bodenständige deutsche Küche. Auf der Straße dann noch Fußball auf dem Großbildschirm des Lokals gegenüber geschaut – das Bier aus der Eiche mitgebracht. Ein prächtiger Abend.

Beim Schlafen gehen war an offene Fenster leider nicht zu denken. Ich stehe nicht so auf Klimaanlagen, deswegen fand ich das ein wenig schade. Die Nacht war trotzdem erholsam, das Hotel innen überraschend leise. Es gab kaum Geräusche vom Flur oder aus anderen Zimmern.

Nächster Tag, Frühstück spät um 8.30 Uhr. Die Kellner der Abendschichten hatten frei – leider. Der Herr im dunkelrosa Polo war entweder selbst noch müde oder hatte einfach einen schlechten Tag. Außer „Ich brauche ihre Zimmernummer“ war nichts aus ihm herauszubringen. Ob man ein Ei möchte war zu anstrengend zu fragen. Der Tisch war nicht sauber gemacht. Und Lächeln beansprucht wohl zu viele Gesichtsmuskeln. War wohl nur ein Freundlichkeits-Intermezzo am Vorabend.

Das Frühstücksbuffet ist überschaubar. Wurst, Schinken, Käse, Müsli, Marmelade, Joghurt, Obstsalat. Ich brauche nicht viel zum Frühstück – das war also schon okay. Der Obstsalat war liebevoll in Stücke gehackt – das Obst angenehm geschmacksneutral. Gemüse (im Sinn von Gurke, Radieschen, Tomate) war Fehlanzeige. Der Kaffee aus der Maschine war durchaus trinkbar. Dafür ist man in Hotels ja auch schon dankbar. Sprudelndes Wasser und zwei Säfte. Man wird satt, es ist mehr als zu Hause üblich. Menschen mit hohen Ansprüchen würden vermutlich etwas maulen.

Viel kam dann nicht mehr. Noch eine Nacht, wieder mit Fenstern geschlossen. Noch ein Frühstück. Check-Out. Ein anderer junger Herr in dunkelrosa Polo war gemäßigt freundlich. Zumindest ein Lächeln war mir zum Abschied gegönnt.

Die viel gerühmte Dachterrasse habe ich leider verpasst. Vielleicht beim nächsten Mal.

Fazit: Kann man machen. Wenn ich mir vorstelle, das ganze Team wäre so freundlich wie der Kellner am Abend – die Deutsche Eiche in München wäre als Hotel ziemlich Klasse. 3-Sterne superior gehen in Ordnung.

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1 Kommentar

  1. naja, früher war alles da ganz anders!! man traf Rainer Fassbinder und Co, war ein absolut spitzen „Lokal“, Mick der Kellner und Toni, eine ganz tolle Frau, die Küche war einmalig gut und wir haben uns alle dort getroffen!! viel Bayerisches Hochadel auch !! war eine schöne Zeit und dann…………..!

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