Greifswald – Usedom und zurück – ans Haff

Morgens entspannt aufwachen, die Vorhänge zur Seite ziehen, in die Sonne schauen und feststellen, dass die Gastgeber eine Tüte mit frischen Brötchen vom Bäcker vor die Tür gestellt haben. So macht Urlaub Spaß. Wir machen es uns also zum Frühstück auf der Terrasse gemütlich um zu überlegen, was der Tag uns bringen soll. Junger Tag, ich frage Dich, was ist Dein Geschenk an mich. Wenn ich nur wüsste, wer das gesungen hat. Aber wir entscheiden, dass der Tag einen Ausflug nach Greifswald und auf Usedom bringen wird.

Also rein in den Smart, Dach auf und rauf auf die Landstraße. Der Weg führt durch malerische Straßendörfer, endlose Wälder und vorbei an Feldern. Was auffällt: im Gegensatz zu Brandenburg fehlen hier die Windräder. Ist aber auch mal ganz schön. Das gilt auch für die Hansestadt Greifswald. Typische Plattenbauten säumen den Weg in die Stadt. Immerhin lassen sie Platz für viel Grün, Bäume, Wiesen. Wir parken in einer kleinen Seitenstraße und laufen einfach mal drauf los. Die Sonne scheint und kaum kommen wir in die Einkaufsstraße, sprüht die Stadt nur so vor Leben. Touristen – man erkennt sie ja doch immer – junge Studenten, Familien beim Wochenendeinkauf, Senioren und dazwischen eine Menge Prolls. Angenehme Mischung soweit. Und vor allem schön, dass es in einer so kleinen Stadt buntes Leben gibt.

Wir laufen nach hinten Richtung Universität. Die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, um genauer zu sein. Ein wunderschöner Altbau, ruhig gelegen mit kleinem Park davor. Aus heutiger Sicht wirkt  sie fast niedlich. Irgendwie schwer vorzustellen, dass ein solches Haus eine ganze Universität beheimaten soll. Aber sie hat ja eine lange Geschichte. 1456 wurde sie gegründet. Damals dürfte sie mehr als groß genug gewesen sein. Unser Weg führt uns vorbei am Gemeindehaus zum Dom St. Nikolai. Auch ein Gebäude mit bewegter Geschichte. Innen sieht man ihm den Verfall und die Bemühungen ihn zu verhindern an. Er ist viellicht mehr ein Stück Zeitgeschichte als Gotteshaus – oder mindestens so viel. Reiche Familien, Adlige, Kirchenmänner, Dänen, Schweden, er erzählt so viele Geschichten, dass wir uns eine ganze Weile lang in ihm verlieren.

Aber irgendwann will die Sonne uns doch wieder sehen. Also folgen wir der Straße zurück zur Einkaufsmeile und wandern an den Läden entlang bis zum Ende. Eine Biegung, Läden weg, Menschen auch. Ah, spannend. Einmal abgebogen und schon verfällt die Stadt in einen Dornröschenschlaf. In der Marienkirche wird noch Silberne Hochzeit gefeiert, irgendwie sieht es aus wie in Schwerin. Auf die dritte Kirche will B dann doch verzichten. Wir kreuzen wieder die Einkaufsstraße. Ah, da ist es ja wieder, das Leben und Treiben. Im ersten Haus am Platz gönnen wir uns dann noch ein Stück Stachelbeerkuchen. Zumindest sieht es so aus, das Café Marimar.

Gut gestärkt ruft die Insel. In Wolgast geht es über die Brücke und voilà, wir sind auf Usedom. Sie ist ja so groß, dass man ihr das Inseldasein kaum anmerkt. Ja und jetzt stellt sich natürlich die Frage: Welches Seebad darf’s denn sein? Aus pragmatischen Gründen entscheiden wir uns für Zinnowitz. Wir finden die klassische Bäderarchitektur der Ostsee. Häuser mit Holzpalisaden, Strandpromenade, ein langer Steg ins Wasser. Woran kann man nochmal die Bäder unterscheiden? Achja, daran, was sich am Ende des jeweiligen Stegs findet. In Zinnowitz ist es eine Taucherglocke. Mehrmals am Tag kann man einen Platz buchen und sich mit ihr ins Meer begeben. Abenteuerliche Vorstellung, in diesem mechanischen Ding, das ein wenig aussieht wie aus 20.000 Meilen unter dem Meer, in die Ostsee einzutauchen. Vielleicht hätten wir es machen sollen, aber wir entscheiden uns dagegen. Schließlich sind wir ja nicht nur des Meeres wegen, sondern auch der Sonne wegen hier. Und von ihr gibt’s ganz viel. Deshalb schlendern wir ein Stück über den Strand, beobachten die Menschen, von denen es hier auch mehr als genug gibt. Ein schöner Ausgleich zu Mönkebude.

Am Rückweg fahren wir einmal über die Insel. Die Sonne scheint, das Verdeck ist noch offen, es sieht nach Sommer aus, es riecht nach Sommer. Vielleicht ist ja doch Sommer?

Wir wollen noch für’s Abendessen einkaufen. Es sollen Pfifferlinge sein, dazu vielleicht ein wenig Bio-Huhn. Dazu Salat. Jetzt rächt sie sich wieder, die großstädtische Überheblichkeit. Wir sind verwöhnte Stadtmenschen geworden. Schließlich ist Samstag und es ist 18 Uhr. Natürlich gibt es noch Lidl, Penny und Netto. Bio? Pfifferlinge? Wir hätten ja nur mal mitdenken müssen. Aber es ist doch Urlaub. Also wird am Abend doch wieder in Mönkebude ausgegangen. Langes Überlegen. Im Blauen Café wären wir die einzigen Gäste, im Goldenen Löwen waren wir schon und die letzte Kneipe liegt so direkt an der Straße. Wir nehmen sie trotzdem. Außer uns ist noch ein Tisch besetzt. Was wir erleben, erinnert irgendwie an den Vorabend. Ein wenig zurückhaltend erst, wird die Wirtin fast minütlich freundlicher. Fast schon zugänglich. Erzählt vom Feuerwerk im Nebendorf, über die Unterschiede zwischen Mönkebude im Sommer und im Winter. Und wir sitzen dort auf der Terrasse, alle 10 Minuten fährt ein Auto die Hauptstraße entlang. Die Wiesen sagen langsam in rosa-orangenem Licht dem Tag auf Wiedersehen. Von den Wäldern grüßt langsam die Nacht. Wir zahlen. Zu Hause warten schließlich wieder Sofa und ein Krimi.

Und am nächsten Morgen? Sonne und frische Brötchen vom Bäcker.

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