Frankfurt ohne Würstchen

Sie beginnt bereits mit einer Anreise, die sehr produktiv und entspannt ist. In gut vier Stunden bringt die DB mich fast pünktlich und vollkommen entspannt von Berlin an meinen Bestimmungsort: Frankfurt. Drei Tage will ich hier bleiben und habe mich dazu im Hotel Intercontinental eingemietet. Ein großes Dankeschön an C, dass ich über ihn einen Family and Friends Tarif buchen durfte. Gut 100 € kostet das Einzelzimmer damit pro Nacht. Ohne Früstück. Aber ich frühstücke ja ohnehin nicht so gern in Hotels, was soll’s also. Vom Bahnhof schaffe ich es in zehn Minuten zu dem kaum zu übersehenden Betonblock am Main. Schönheit ist relativ. Für so ein 5-Sterne-Haus hätte ich auch eine etwas andere Lobby erwartet. Macht aber nix. An der Rezeption ist man sehr nett, kümmert sich um mich – Zimmer ist mittags aber leider noch keines frei. Ab 15 Uhr wäre es dann verfügbar. Und ob ich den Voucher dabei hätte? Das bin ich ja auch schon lang nicht mehr gefragt worden. Habe ich nicht. Kein Problem, der junge Mann würde den schon anderswo auftreiben.

Jetzt kann es also rein gehen, ins Leben, in den Trubel in Frankfurt. In den nächsten zehn Minuten sehe ich mehr Männer in Anzug und Krawatte als in den letzten zehn Wochen in Berlin. Ich brauche ja immer ein wenig, um mich an neuen Orten zu akklimatisieren. Deshalb hört U an dem Tag noch ganz oft von mir, wie ungewohnt ich das finde. Ihretwegen bin ich ja eigentlich überhaupt hier. Ich will drei Tage mit ihr gemeinsam arbeiten. Das tun wir sonst ja auch, nur eben sie in Frankfurt und ich in Berlin. Zur ersten Besprechung verabreden wir uns im Picknickbank. Orientalische Küche mitten in Frankfurt. Die Sonne scheint, U kommt wie immer freudestrahlend angerauscht und rund um uns: Anzugträger. Da fällt dieser kleine Laden schon ein wenig aus der Reihe. Zudem genau gegenüber ja das Walden mit seinem Publikum aufwartet. Ein schöner Gegensatz. Langsam wird Frankfurt mir irgendwie sympatisch.

Das Essen (ein gemischter Teller mit Humus, Tahina, Salat, uam) ist hervorragend – der Minz-Eistee ein Traum. Wir schmieden also Pläne für den Tag während wir durch die Stadt Richtung Büro spazieren. Wir lassen die Zeil, die Deutsche Bank, den Römer und die Alte Oper hinter uns. Überall Sonne, überall Anzug. Was bin ich froh, dass ich heute morgen zumindest ein weißes Hemd zu meiner Jeans angezogen habe. Nach etwas Bürokram verbringen wir den Rest des Tages damit, eine spannende Location für eine Veranstaltung zu suchen. Wir werfen einen Blick in die Heimat, sind aber skeptisch. Ich lerne die Kameha Suite kennen (ein repräsentatives Haus so mittendrin, dass es schicki ist, kann ich mir gut vorstellen, gegenüber der Alten Oper, mit Säulengang, Raucherclub, Flügel und einer wirklich, wirklich freundlichen Dame, die uns die Räume zeigt und mit uns Ideen für die Veranstaltung spinnt). Wir werfen einen Blick ins Jumeira, in dem ein Österreicher kocht und die Gäste mit österreichischem Wein verwöhnt. Schade nur, dass C nicht hier arbeitet und mir hier eine Freundes-Rate besorgt hat. Stylisches Haus. Im Flemings Deluxe schauen wir von der Dachterrasse über die Stadt, finden es für Frankfurt dann aber doch zu Berlin. Zur Stärkung gibt’s den weltbesten Frankfurter Kaffee bei Wacker. Da war dann noch der eine oder andere Ort zur Besichtigung – aber in Erinnerung bleibt mir keiner.

Das tut aber die Kneipe, in der wir den Abend beschließen. Fichetekränzi. Bei Äppelwoi (so klingt Apfelwein zumindest), versteht sich. U liefert sich mit dem Kellner einen Schlagabtausch über die Größe des Kruges, der natürlich Bembel heißt und nicht Krug. Weil man das nie tun sollte, bekommen wir ihn in Miniaturformat mit Inhalt 0,02 l. Aber irgendwie scheinen die Frankfurter Spaß zu verstehen, wir bekommen dann nämlich auch noch einen richtigen Bembel und trinken in fröhlicher Stimmung vor uns hin, dazu gibt’s Grüne Soße. An unseren Tisch setzen sich immer wieder Menschen dazu, andere gehen wieder. Ein Kommen und Gehen. Ein freundliches Miteinander von Studenten, Bankern, Touristikern, Touristen, Pensionisten, …

Den Absacker gibt’s dann im Café Karin. Der Abend ist lau, die Straßen sind voller Menschen, der Main fließt friedlich in seinem Bett. Und dorthin will ich jetzt auch. Also, in meins. Man hat mir ein Zimmer im 8. Stock ausgesucht – mit Blick auf den Fluss. Sehr schön. Das Zimmer ist wie das Hotel. Es hat schon bessere Zeiten gesehen, ist aber vollkommen okay. Sauber, Bett groß, Blick gut, Badezimmer klein. Ich beschließe, weil’s so schön war, noch ein letztes Bier in der Bar zu trinken. Die ist in der Lobby, überschaubar groß und naturgemäß mit wenig prickelnder Aussicht. Ich plaudere mit einem jungen Kroaten, bis man uns um 1 Uhr darauf aufmerksam macht, dass die Bar nun schließt. In einem Haus dieser Göße, wenn es die einzige ist? Ah. Spannend.

Der nächste Tag bringt noch viel mehr Locations anzuschauen. Das von außen so unscheinbare, von innen aber so stylische Roomers. Das Café von Herrn Franz, der seine österreichische Herkunft auch so gar nicht verleugnen kann, das Café im Städel, das, Überraschung, jetzt auch einen österreichischen Koch hat. Und alle bei denen U und ich so unangekündigt aufschlagen, sind so unglaublich freundlich, hilfsbereit. Frankfurt wird immer netter. Mittag gibts bei der Kleinen Anna. Kleiner Laden, großes Konzept, perfekt für Mittag. Brote mit allen nur erdenklichen Aufstrichen. Getoastet oder nicht. Vegetarisch, Fisch, Fleisch. Mit Salat oder ohne. I like. Und ganz viele andere auch, wie der Andrang beweist.

Sechs Stunden zu Fuß durch Frankfurt machen sich bemerkbar. Darf aber nicht. Wir haben ja noch große Pläne. Mit Us Freundinnen wollen wir nach Hanau. Ja. Freiwillig. Zum Konzert von Boy. Raus wieder mit der Bahn. Wir irren durch Straßen und Gärten bis wir irgendwann zielsicher dem Geruch von Pommes folgend, vor dem Amphietheater stehen. Ich als Fremder habe ja keinen Begriff von Hanau und finde es unvoreingenommen schön. Grün, Wasser, Schloss, Amphietheater, eine bunte Ansammlung von Menschen. Für ein Konzert ein ganz großartiger Ort. Ich weiß auch nicht warum das ganze Publikum lacht als die Musikerinnen sagen, sie wären zwar vom Geländer nicht runtergekommen, seien sich aber sicher, dass Hanau sehr schön sei. Drive, Drive, Drive, Darling Drive…. Im Hotel dann noch ein Bier, und diesmal verabschiede ich mich, bevor die Bar schließt.

Etwas wehmütig beginn jetzt schon mein dritter Tag. Die Sonne scheint, ich laufe zu Fuß Richtung Büro. Überall Menschen in Anzug. Ich habe mich daran gewöhnt und es hat seinen Reiz, wenn alles weniger weitläufig, ein wenig ordentlicher, sauberer und gut angezogen ist. Zumindest nach drei Tagen. Beim Biobäcker in der Weserstraße kaufe ich mir wieder mein Frühstücksbrötchen. Nicht mal über die Preise, die für den verdorbenen Berliner so absurd hoch klingen, wundere ich mich noch. Es steht Bürokram am Programm. Recherchen, Telefonate, E-Mails. Aufbruch gibt’s aber nicht, bevor ich mit U nochmal Mittagessen gehe. Matildas Kitchen heißt unser Ziel heute, gleich um die Ecke, Unterlindau. Salat, Quiche, Salat, Kuchen. Das gibt’s in dem kleinen Laden. Das schmeckt ganz hervorragend. Und manchmal ist Frankfurt doch irgendwie ein wenig Berlin. Und manchmal ist das auch gut so. Bei mir jedenfalls, hat Frankfurt einen großen Bembel mehr im Brett. Ich komme wieder, schließlich hatte ich noch nichtmal Würstchen. Danke, liebste U!

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