Es war einmal auf Mallorca

Casa Del Virrey

Casa Del VirreyDie ganze Sache fängt mit einem Luxusproblem an. Es ist Sommer und ich habe kein Reiseziel. Nach einem halben Jahr durcharbeiten ist mir aber klar: Ich muss dringend wieder auf Reisen gehen, brauche Urlaub. Frankreich? Toskana? Wales? Oh ja, Wales. Nach kurzer Recherche auf nächstes Jahr vertagt. Dann kann ich einem Angebot von airberlin einfach nicht widerstehen – Mallorca für 60 € hin und zurück. Gebucht. Dann erst nachgedacht. Mallorca in der absoluten Hauptsaison? Wer kommt denn auf die Schnapsidee? Ich. Natürlich. Aber wäre doch gelacht, wenn es nicht auf auf der Deutschen liebsten Insel noch ein paar schöne, ruhige Fleckchen gäbe.

Straße in SencellesZeit genug hatte ich da noch, um die Sache mal in Ruhe vorzubereiten. Ich weiß immerhin schon: Süden und Osten sind wohl eher nicht so meins. Das hilft schon mal bei der Eingrenzung. Und dann findd ich… die Casa Del Virrey. Im Inselinneren, in der Nähe der Stadt Inca. Noch nie gehört. Ist ja auch nur die drittgrößte Stadt Mallorcas. Und tatsächlich ist die Casa Del Virrey, eine so genannte Casa Rural, ein echter Glücksgriff. Schon bei der Anreise merke ich, wie es immer ruhiger wird, je weiter ich von Palma wegkomme. Und als ich dann in die kleine Seitenstraße einbiege, werden alle Träume wahr. Vor mir steht, mitten im Nichts, ein wunderschönes Anwesen. Rosa gestrichen, flaches Dach, flankiert von kleineren Feldstein-Anbauten. „Sowas gibt’s ja wirklich“, denke ich noch so bei mir. Aber das hat sicher einen Haken. Am Empfang begrüßt mich die Herrin des Hauses freundlich. In ihr Reservierungsbuch hat sie einfach „Markus“ geschrieben. Ich mag Pragmatismus. Die Formalitäten sind schnell erledigt und sie bringt mich in den zweiten Stock in mein Zimmer. Ich komme mir vor, als würde ich in der Kulisse eines Films wohnen. Hier eine Ritterrüstung, dort jahrhundertealte Stühle. Ölgemälde an der Wand, handgewebte Teppiche auf den Steinböden. Die großen Fenster geben den Blick frei auf: Landschaft.

Casa Del Virrey Casa Del Virrey Casa Del Virrey Casa Del VirreyFenster in der Casa Del Virrey Casa Del VirreyAuch mein Zimmer: Ein breites Bett aus dunklem alten Holz, ein dunkler Holzschrank. Zwei bequeme Stühle unter dem Fenster. Modern nur die Klimaanlage und das Badezimmer. Einmal tief durchatmen – es riecht nach Geschichte. Ich höre: Nichts. Mallorca in der Hauptsaison? Geht doch!

Vor dem Haupthaus gibt es einen kleinen Park mit grünem Gras, Hecken und Palmen. Ein kleiner Pool mit Liegen verspricht Abkühlung im mallorquinischen Sommer. Mehr als 5 Menschen finden sich nie in seiner Nähe. Rund um die Casa Del Virrey: Felder und Schafe. Ich höre Wind, Blöcken und Glocken. Liege am Pool, schaue in den blauen Himmel. Manchmal sind so Schnapsideen vielleicht doch ganz gut. Fühlt sich wie Urlaub an.Sonnenuntergang auf Mallorca Sonnenuntergang auf Mallorca Baum im Sonnenuntergang

Am Abend esse ich im hauseigenen Restaurant. Der Cesarssalad ist perfekt. Der Hauptgang sicher auch, wenn ich nur vorher daran gedacht hätte, dass ich doch keine Leber mag. Der mallorquinische Wein schmeckt, ich sitze auf der Terrasse vor dem Haus und freue mich. Mehr gibt es auch nicht zu tun. So, und so ähnlich, gestalten sich die nächsten drei Tage. Unterbrochen nur von einem Ausflug ins nicht sehr spektakuläre Inca und an den Strand im Norden. Sonst: Ruhe. Andere Gäste kommen und gehen. Man nickt sich freundlich zu, lässt sich ansonsten einfach in Ruhe. Die Abende bringen wunderschöne Sonnenuntergänge. Zwei Bücher habe ich schon ausgelesen. Hochsaison auf Mallorca? Gefällt mir.

Statue in der Casa Del Virrey AbendessenPS: Ich gebe zu, nichts ist perfekt. Das stelle ich in der Casa Del Virrey fest, als der Wind dreht. Dann fliegen nämlich für zwei oder drei Stunden alle aus dem Norden kommenden Flugzeuge nach Palma direkt über diese wunderbare Idylle – die darunter naturgemäß ein wenig leidet. Und weil ich neugierig bin, gehe ich auf Erkundungstour im Haus und auf dem Gelände. Mein Tipp: Einfach vor dem Haus bleiben. Dann stört die Rückseite auch gar nicht…

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