Ein Sonntag im Grunewald

Grunewald

Der Himmel über BerlinDa war er wieder, der Sonntag. Unausweichlich wie jede Woche steht er vor der Tür, klopft unverschämt laut an und ruft so fröhlich, wie nur er es kann: „Hier bin ich wieder! Was machen wir denn heute?“ Davon, dass ich ein erklärter Anhänger des Sonntags-Blues bin, lässt er sich auch heute wieder nicht abhalten. Nun gut, dann wollen wir mal sehen, was wir ihm entgegen zu halten haben. Oder… wir tun einfach mal das, was man Sonntags so macht. Ha! Damit hat er nämlich gar nicht gerechnet. Also machen wir einen Ausflug. Und wohin fährt der gute Neu-West-Berliner sonntags dann? Genau. In den Grunewald. Eine gute Wahl, wie sich herausstellt. So gut sogar, dass der Sonntag ganz unbemerkt gegen den Blues die Oberhand gewinnt. Unweit der Avus-Abfahrt Hüttenweg stellen wir also das Auto auf einem Waldparkplatz ab und laufen los (zugegeben, ohne iPhone hätten wir uns wohl 72 Mal verlaufen). Ja, man könnte da auch gut mit der S-Bahn hinfahren. Sehr gut sogar. Aber das geliehene Auto wollte einfach so gerne bewegt werden… Schon nach 10 Minuten ist von der Autobahn nichts mehr zu hören. Stattdessen zwitschern Vögel, grüßen freundliche Radfahrer, kläffen ebenso freundliche Hunde und galoppieren Pferde mit Reitern vorüber. Am Teufelssee räkeln sich Menschen jeden Alters und eines jeden Schönheitsideals in der trüben Sonne, im Ökowerk Grunewald beneiden wir die Menschen, die in dieser Idylle, mitten in der Stadt wohnen und an der Abhörstation lassen wir uns dann doch vom Dobermann davon abhalten, ohne 15 € Eintritt das Gelände zu erkunden. Ich kenne die Aussicht von der oben, sie ist tatsächlich grandios. Aber „das ist Privatbesitz“ als Aussage über dieses Stück Berlins, dafür will ich irgendwie nicht bezahlen.

Ja, der Grunewald ist ein Wald (oder genau genommen ein Forst). Gleichzeitig ist er so unübersehbar Berlin, dass es sogar mir als immer-noch Berlin-Entdecker doppelt Spaß macht, mich durch diesen, im wahrsten Sinne des Wortes, Großstadtdschungel zu kämpfen (es werden immerhin 13 Kilometer). Wer also an einem der nächsten Sonntage dem Blues für eine Weile den Rücken kehren will – ich hätte da eine gute Empfehlung. Sogar, wenn er am Ende noch ein wenig verregnet ist.

Share on Facebook0Tweet about this on TwitterShare on Google+0Share on Tumblr0Share on LinkedIn0Pin on Pinterest0Email this to someone

Vielleicht gefällt Dir ja auch diese Geschichte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *