Ein perfektes Wochenende in Wien

Wien, HofburgDas ist ein Blog. Und in Blogs geht es ja darum, dass einer etwas schreibt und andere das lesen. Weil aber Sprache ja so ein schönes Spielzeug ist, habe ich letztens an einer Weiterbildung teilgenommen. Eine Woche haben wir uns nur mit Stimme und Sprache beschäftigt. Wer Lust darauf hat, dem sei Susanne Eggert ans Herz gelegt. Das aber nur so nebenbei. Weil dieser Kurs der Grund für diesen Blog-Eintrag ist. Zum Abschluss sollte nämlich jeder von uns den anderen KollegInnen fünf Minuten lang etwas vorstellen, erzählen, präsentieren. Ich hatte die ganze Woche überlegt und kam dann zu dem Entschluss, es sollte etwas sein, wovon die Menschen im Kurs auch etwas haben könnten. Etwas, wovon sie profitieren und was ich ihnen mitgeben könnte. Ich wollte ihnen also erzählen, wie ein perfektes Wochenende in Wien aussehen könnte. Und das geht aus meiner Sicht genau so (mit angenommenem Start in Berlin).

Mit dem Flugzeug in rund 50 Minuten geht’s von Flughafen zu Flughafen. Mit Lufthansa oder Austrian, manchmal auch noch mit Airberlin, schafft man das für rund 100 €. Am Flughafen Wien-Schwechat angekommen – der erste wichtige Tipp: S-Bahn. Zwar wird man überall auf den CAT, den City-Airport-Train, hingewiesen. Während der einen aber für 12 € in 16 Minuten ins Zentrum bringt, schafft die S-Bahn das in 20 Minuten für 3,80 €. Und schon hat man fast das erste Abendessen gespart.

Wien, SezessionWas wohnen betrifft, hat man in Wien dann natürlich die große Auswahl. Sei es hip und stylish im neuen, angesagten 25hours, sei es wunderbar gediegen, freundlich und stilvoll im Kaiserhof oder modern und zeitgemäß günstig im Motel One direkt am Westbahnhof. Ich würde ja den Kaiserhof empfehlen, weil er so schön wienerisch ist. Und er ist perfekt gelegen, sodass man alle seine Erkundungen von dort zu Fuß beginnen kann. Wie den Gang ins Freihausviertel, am ersten Abend. Um die Ecke von Naschmarkt, Secession, Technischer Universität gelegen, finden sich dort Cafés, Galerien, Kneipen und kleine Läden. Um den Aben in Wien passend zu beginnen – und vermutlich auch gleich ausklingen zu lassen – geht’s am Besten ins Anzengruber. Eine alte wiener Kneipe, in der sich heute Studierende, Künstler, Autoren, Journalisten und ähnlich buntes Volk treffen. Geführt wird der Laden von Ankica und Tommy, Mutter und Sohn. Die Familie ist während des Bürgerkries im ehemaligen Jugoslawien geflohen. Heute sind Sie Herz und Seele im Anzengruber. Ankica’s Sarma sind nur mit denen meiner Großmutter zu vergleichen. Das Pastafagioli ist großartig und das Pariser Schnitzel mit Erbsenreis würde ich sonst nirgends essen. Dazu den einen oder anderen Weißen Spritzer. So schön kann Wien sein. Und mehr muss ein erster Abend eigentlich auch gar nicht können.

Wien perfekt_04Nach einem imperialen Frühstück am Samstag geht’s zu Fuß los in Richtung Naschmarkt. Einer der schönsten Lebensmittelmärkte des Landes. Daneben mittlerweile viele Cafés und Restaurants. Samstags kommt noch der Flohmarkt dazu. Immer wieder nette kleine Andenken, die man dort finden kann. An der Sezession mit ihrer goldenen Kuppel geht’s vorbei über den Karslplatz, an der berühmten Wiener Staatsoper. Es steht ein Spaziergang durch die Innenstadt an. Durch die Kärntner Straße zum Stephansdom, über den Graben zur teuersten Meile Wiens, dem Kohlmarkt. Shopping oder auch nur Windowshopping bei Gucci, Cartier und Louis Vuitton. Mittags kann man sich gut an einem der Würstlstände stärken. Burenwurst? Käsekrainer? Bosna? Süßer Senf oder scharfer? Danach ein wenig Kultur. Eines der Museen in der Hofburg? Kunsthistorisches Museum oder Museumsquartier? Die Auswahl ist groß. Wer sich für das Museumsquartier entscheidet, hat selbst da noch die Wahl. Kunsthalle, Leopold, MuMoK. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Und für danach findet sich gleich dahinter der 7. Bezirk. Hübsche kleine Gassen, kleine Läden, junge Designer. Oder ein ganz besonderes Souvenir? Ein persönliches Parfum, gemischt für den individuellen Duft vom weltberühmten Parfumeur.

Wem am Abend der Sinn nach Musik steht, für den wäre langsam Zeit für Umziehen. Vor den Veranstaltungen gibt es nämlich an der Kasse der Staatsoper Stehplatzkarten. Sie sind legendär. Das Publikum dort ist gemischt und es zählt zum kritischsten der Stadt. Wenn man der Staatsoper glaubt,  befinden sich die besten Plätze in Bezug auf Sicht und Akustik in der Galerie, Mitte, Reihe 2, Platz 36 und 37. Von dort sieht und hört man dann Pavarotti, Bartoli oder Netrebko, …

DIGITAL IMAGEKultur ist anstrengend. Batterien aufladen kann man im Anschluss ganz hervorragend im Rebhuhn. Ich habe es hier schon des öfteren erwähnt. Das beste Wiener Beisl der Stadt, defnitiv. Berggasse (wo schon Sigmund Freud zu Hause war) Ecke Porzellangasse. Ich sage nur: Guten Appetit!

Wem danach noch der Sinn nach Abendprogramm steht: Passage, Volksgarten oder die angesagte Dachgeschoßbar im 25hours. Drinks, gute gekleidete Menschen und gute Musik. Wem trotz abendlicher Operngarderobe der Sinne nach alternativerem Publikum steht: In den U-Bahnbögen  warten rhiz, chelsea oder B72. Oder aber, für die Romantiker unter Euch… Holt Euch eine Flasche Sekt, und macht Euch auf Richtung Parlament. Das Parlamentsgebäude liegt unmittelbar an der Ringstraße, der größten Wiener Prachtstraße, die einmal rund um die Innenstadt führt. Es steht ein wenig erhöht und man kann einfach die Rampe nach oben laufen. Dort könnt Ihr auch auf das Geländer setzen und einfach in Ruhe den Blick über Ringstraße, Hofburg, Burggarten und Co streichen lassen.

DIGITAL IMAGEWer’s dann sogar noch romantisch haben möchte, der sollte die Nacht vielleicht doch nicht zum Tag machen. Das kann man in Berlin ohnehin noch besser. Vor allem aber, wartet ein Kuss auf den jungen Morgen. Wer ganz früh dran ist, macht sich auf in die Österreichische Galerie Belvedere. Dort hängt das berühmte Bild „Der Kuss“ von Gustav Klimt. Als einer der ersten Besucher das Tages kann man noch das Glück haben, dass man der erste im Saal ist. Dass die Mitarbeiter erst dann die Läden des Palais öffnen und man dabei ist, wenn die ersten Sonnenstrahlen sich ihren Weg durch die Fenster suchen und quer durch den Raum auf die goldenen Farben des berühmten Bildes fallen. Ein magischer Moment, versprochen!

 

Wien perfekt_06Noch zwei Stunden Klimt bleibt sicher noch Zeit für ein Wiener Kaffeehaus. Ich würde es natürlich immer das Prückel sein lassen. Ein echtes Wiener Kaffee mit grantigen Kellnern, einer ewig langen Karte mit Kaffeesorten, tollem Apfel-Mohn-Kuchen. Innen im 50er Jahre Design gehalten, unzählige Zeitungen zu lesen und selbst wer nur einen Mokka und Glas Wasser trinkt, wird von keinem Kellner deswegen belästigt. Es ist nunmal das zweite Wohnzimmer, das Kaffehaus. Und so gibt es das eben nur in Wien. Wenn noch Zeit ist, macht man es sich im Sommer noch ein wenig am Donaukanal gemütlich und sieht den Menschen beim sonntäglichen Schlendern zu, macht einen Abstecher zur Otto-Wagner-Kirche am Steinhof (ein Krankenhaus für psychisch kranke Menschen – das Schönste neben der Kirche ist, dass man im Park herum nie weiß, ob man auf Patienten, Besucher oder Ärzte trifft – und oft sind die Unterschiede minimal) oder nimmt die U4 um einen Blick auf das golden gelb leuchtende Schloss Schönbrunn zu erhaschen. Im Winter lockt da doch vielleicht mehr ein Konzert bei den Augustinern in der Hofburg oder einer der wunderbaren anderen Kirchen (im Stephansdom, in der Votivkirche, in der Piaristenkirche, …).  Kirche und klassische Musik sind mit dem imperialen Wien eben organisch verwoben. Informationen dazu gibt’s online oder bei der Wien Info gegenüber der Albertina, hinter der Staatsoper.

Und dann ruft die Heimat. Mit der S-Bahn geht es zurück zum Flughafen und eh man sich’s versieht, ist man wieder zu Hause. Aber eines kann ich versprechen: Es wird immer ein „Schön war’s“ mit diesem Wien-Wochenende verbunden bleiben.

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