Ein perfekter Sonntag – Laufen, Baden, Essen

Es ist Sonntagmorgen und er beginnt wie schon der Samstag davor. Sonne, angenehm frische Luft und frische Brötchen. Während B zu 10 Uhr in die kleine Kirche zum Gottesdienst will, schmeiße ich mich endlich mal wieder in die Laufklamotten. Durch die Küchentür raus, Gartentor auf und einfach ab in den Wald. Es riecht nach Gras, Laub, Tau, Wasser, Rinde, … Meine Güte, wie schnell man in der Stadt vergisst wie toll so ein Wald riecht. Und wie schnell man verlernt sich zu orientieren. Nach 45 Minuten habe ich beim besten Willen keinen Schimmer, wo ich sein könnte. Wie war das nochmal mit dem Stand der Sonne? Oder immer nur links abbiegen… Aus einem unerfindlichen Grund komme ich an einem kleinen Bach vorbei, der mir irgendwie bekannt vorkommt. Und diese Kuhherde da drüben, hatte ich die vorhin nicht aus der Entfernung gesehen. Am Ende ist das Glück ja doch mit den Dummen. Als mein Timer 1:00:03 zeigt, stehe ich wieder vor dem Gartentor.

Begrüßt werde ich schon von Crispin und Lothar. Ein kleiner Tratsch am morgen, ein wenig Hund streicheln. Gute Art um wieder zu Luft zu kommen. B sitzt in der Zwischenzeit schon im Haus. Der Gottesdienst war nicht wie angekündigt um 10, sondern um 11 Uhr. Was ist schon auch Zeit, wenn man sie vom Anfang der Schöpfung weg misst.

Es gibt wieder Frühstück auf der Terrasse. Im Anschluss sind wir zur Hausbesichtigung eingeladen. Die beiden Herren haben es sich wirklich schön und gemütlich gemacht, da im Nord-Osten Deutschlands. Auch in ihrem Haus viel Holz, viel Platz, offene Räume und eine Sauna mit Ausblick. Für B gibt’s ein Geschenk. Crispins Großonkel hat ein Gebetsbänkchen aus Olivenholz aus dem Heiligen Land mitgebracht, an Crispins Vater vermacht und jetzt gehört es ihm. Er findet, beim angehenden Pfarrer wäre das gut aufgehoben. Was soll man da noch sagen. B ist gerührt, ich bin hingerissen von so viel Freundlichkeit und Gastfreundschaft. Und in guten Händen ist das Geschenk jetzt allemal.

Danach geht’s mit offenem Smart wieder los. Auf die Insel. Heute soll es Bansin werden. Eines der drei großen Ostseebäder neben Heringsdorf und Ahlbeck, Seeheilbad sogar. Auf die Insel geht’s zügig. Ich glaube, wir brauchen nur nochmal so lange um einen Parkplatz zu finden. Als wir das dann auch erledigt haben, wird noch die Kurkarte für den Tag gelöst und dann gibt’s endlich den lange ersehnten Strandkorb. Wir braten in der Sonne, drehen den Strandkorb langsam dem Sonnenverlauf nach. Zwischendurch wagen wir uns ins 15 Grad warme Wasser. DAS ist Abkühlung. Und das ist Sommer wie er sein soll. Sommer, Sonne, Strand und Meer. Dazu der erst halb gelesene Krimi von Jo Nesbo. Damit’s zwischendurch auch mal kalt über den Rücken läuft.

Dank Tourismus haben in Bansin auch noch ziemlich viele Läden offen. Wie der Supermarkt. Und große Freude: Es gibt Pfifferlinge. Der Abend ist gerettet. Vollbepackt mit tollen Sachen machen wir uns also auf den Weg. Aufgetankt von der Sonne, in der Nase noch den Wind, der den Geruch vom Meer reinträgt, geht’s wieder quer über die Insel. Zu Hause können wir dann endlich die perfekt ausgestattete Küche nutzen. Eine Stunde später ist das Essen fertig. Pfifferlingrahmsauce, Schweinefilet und Bandnudeln (wir tun zumindest so, als wären es Bandnudeln). Dazu Tomatensalat und das letzte Bier, das unsere Gastgeber für uns im Kühlschrank kühl gestellt hatten. Während des Essens auf der Terrasse geht langsam die Sonne unter. Und so geht er langsam zu Ende, der letzte Tag am Stettiner Haff. Und er war schön, ein perfekter Sonntag geradezu.

Es kommt die Nacht, es kommt der Morgen. Wir packen, räumen auf. Ein Stündchen noch Plaudern mit Crispin und Joachim. Als Abschiedsgeschenk gibt’s jungen Knoblauch aus dem Garten. Dann ruft die Straße. Ein Zwischenstop am Haffstrand in Ueckermuende. Kalter Wind, viele Wespen. Aber vielleicht ist es auch das Wissen, dass der Urlaub zu Ende geht, der keine rechte Stimmung mehr aufkommen lässt. Dazu passt unser letzter Zwischenstop. Pasewalk. Es gibt einen beeindruckenden Dom. Viel mehr Worte möchte ich über die Stadt nicht verlieren. Und hinfahren möchte ich auch nicht mehr. Ich behaupte ja, jede Stadt, jeder Ort hat eine eigene Schwingung. Und jeder der ein wenig darauf achtet, wird sie schon beim ersten Besuch spüren. Ob man Pasewalk spüren will? Ich wollte es nicht. Ein Stadtzentrum aus Plattenbauten? Aber vielleicht sind uns die schönen, sauberen, freundlichen Ecken auch nur verborgen geblieben. Schließlich ist Pasewalk eigentlich eine Stadt von historischer Bedeutung. Aber die Zeit vergeht – und mit ihr wohl auch Pasewalk.

Es ist 19 Uhr als ich aus dem Smart klettere. Das ist also wieder Berlin. Die Sonne scheint. Die Nachbarn lärmen. Dort vorne ist der Fernsehturm. Schon schön hier…

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