Ein Abstecher nach Thessaloniki

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ThessalonikiZwischen Albanien, Mazedonien und Albanien haben wir noch einen Zwischenstop in Thessaloniki eingeplant. Irgendwie ist das schon ganz lustig – die Distanzen sind nicht groß, die Menschen sind sich ähnlich aber doch ist alles anders. Die Autobahnen sehen anders aus, Telefonieren ist viel billiger und als wir vom Parkplatz zu unserem Hotel gehen stellt sich ein interessantes Gefühl ein. Es fühlt sich ein wenig nach „zu Hause“ an. Ist das vielleicht ein Ergebnis der Europäischen Union? Ein In-die-EU-Kommen und zu Hause fühlen? Wenn ja, dann ist das ein sehr schönes Ergebnis.

Aber zurück nach Thessaloniki. Die Einfahrtsstraße ist so hässlich, wie sie das überall auf der Welt sind. Es ist wuselig, laut, chaotisch, dreckig. Wie überall bisher. Nur eben EU. Ich fahre, C gibt die Richtung vor. Gerade aus, nächste links. Oh – Einbahn. Okay, übernächste Links, dann wieder links. Oh, da darf man nicht. Okay, einmal um den Platz. Nächste Links – oh, da ist ja. Noch einmal um den Platz, dann rechts. Und dann gleich. Oh. Okay, noch einmal um den Platz. Ach egal, fahr da ins Fahrverbot rein.

Thessaloniki_0272Dann stehen wir tatsächlich vor unserem Hotel, dem Plaza. Wir werden von einer jungen Frau empfangen, die wir sofort Aphrodite taufen. Und wir stellen auch gleich fest, wir sind mitten im Amüsierviertel gelandet. Bars und Clubs ohne Zahl rund um uns herum. Wer sich für das Plaza entscheidet, sollte das wissen. Mein Zimmer ist, sagen wir mal, basic. Merke: Traue nie den Fotos auf der Hotel-Website. Aus dem Hof dampfen die Küchendüfte ungefiltert durchs Fenster und mein Bett vibriert angenehm sanft im Rhythmus der Clubbeats von nebenan. Mich stört es nicht, ich schlafe wie ein Baby. Frühstück gibt’s im Erdgeschoss. Essen schmeckt, Kaffee ist okay und die Frühstücks-Chefin ist entzückend, freundlich und aufmerksam. Leider gibt es nie genügend Tische – Wartezeit einplanen ist also ratsam.

Thessaloniki_0310Und Thessaloniki? Eine wirklich hübsche Stadt. Südliche, maritime Architektur, Altbauten, unzählige orthodoxe Kirchen – und das Meer. Die Stadt schmiegt sich an die Küste, entlang einer Promenade gibt es Cafés, Bars, Restaurants und Plätze. Die Sonne scheint, wir spazieren durch die Stadt. Auch hier wieder: Sehr viel Leben. Jung und Alt ist unterwegs, sitzt in Straßencafés, lässt es sich gut gehen. Um 16 Uhr ist es gar nicht so einfach, einen freien Platz für Kaffee zu bekommen. Irgendwie ist das wie in Berlin. Nach einem Mittagsschläfchen, einen zugegeben recht späten, gibt’s endlich Essen. In der Nähe des Aristoteles Platzes, am Markt, finden wir eine Taverne. Bodenständig, tolle Karte (die es auch nur auf griechisch gibt). Wir bestellen wie immer jeder eine Vorspeise und ein Hauptgericht. Der Tisch biegt sich. Das Leben ist schön. Genau so wollten wir zu Abend essen. Es wird noch schöner. Wir nehmen noch ein Bier im Stretto Café. Freundliche Leute, bunt gemischt, fröhliche Stimmung. Irgendwann schenkt man uns Bier mit Wodka aus. Wirklich nett hier, zu Hause, in der EU.

Thessaloniki_0286Den nächsten Tag wollen wir zum Shoppen und für Sightseeing nutzen. Durch die kleinen Straßen, über den Straßenmarkt, die großen Einkaufsstraßen entlang. Wir besuchen Kirchen (der Prunk orthodoxer Kirchen ist doch immer wieder beeindrucken, vor allem wenn man im protestantischen Preußen lebt), die Rotunde, sehen Denkmäler, lernen den Heiligen Nektarios kennen. Shopping-Erfolg? Keiner. Dafür könnten wir auch alles Geld an Bettler und Kinder verschenken. Besonders beliebt sind bei uns die Mädchen mit Ziehharmonika. Zwei Töne spielen, Hand ausstrecken und laut „Money“ brüllen. Wenn’s kein Geld gibt fangen sie entweder an zu schimpfen oder sie werden aufdringlich. Ob diese Masche bei irgendjemandem funktioniert? Im Lauf des Tages stellen wir aber fest, es gibt viele von ihnen und sie gehen alle gleich vor.

Unseren letzten Abend in Thessaloniki streife ich hier nur. Das Restaurant ist ein glatter Fehlgriff. Das Tzatziki ist okay, damit aber auch schon das Beste von allem. Sogar das Bier ist schal. Die erste Bar die wir aussuchen scheint ein Treffpunkt für Intellektuelle zu sein, an dem sie die Ungerechtigkeit der Welt diskutieren. Ob die 4,50 € für Bier oder Raki ihren Teil gegen die Ungerechtigkeit beitragen können? Den Abschluss macht eine Bar, wie es sie überall auf der Welt gibt. Musik von Lady Gaga, Heineken oder Amstel vom Fass. Einzig die entzückende junge Kellnerin macht einen kleinen Unterschied. Sie würde sich so gern mit uns unterhalten, weil sie doch erst vor 3 Wochen in Berlin war und dort sofort hinziehen möchte. Noch braucht sie ihren Kollegen um zu übersetzen, aber sie fängt sofort an Deutsch zu lernen. Bitte. Danke. Auf Wiedersehen.

Ich lasse mich vom Club-Beat wieder sanft in den Schlaf wummern. Träume von gebratenem Speck. Irgendwie ist Thessaloniki dann doch ganz anders als unsere anderen Stationen – auch wenn sie offiziell in Zentralmakedonien liegt. Ich glaube, die Stadt hat noch in paar mehr Tage verdient. Aber das gilt ja auch für Albanien. Schön war’s. Und gut zu wissen, wie groß das zu Hause mittlerweile geworden ist.

 

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