Eier im Nebel – ein Kurztripp nach Kopenhagen

Es war eine Überraschung. Eine Geburtstagsüberraschung. Damit fing die Geschichte eigentlich im August an. C, I und ich machen B zu ihrem 30+ Geburtstag ein Geschenk. Mehr als Brot, Butter und den Hinweis, sie möge sich den 29. und 30. Oktober freihalten gab es nicht. Wir haben sie als Samstag abgeholt, waren in der Jägerstraße frühstücken und dann mussten wir irgendwann auch los. Denn der Regionalexpress sollte uns vom Alexanderplatz zu unserem Flug nach Schönefeld bringen. Wie schon im letzten Jahr haben wir das mit dem Zug nicht geschafft. Also Taxi. Nachteil: Die für die Zugfahrt gekaufte Flasche Sekt durfte nicht mit durch die Sicherheitskontrolle. Naja, der junge Mann am Flughafen hat sich gefreut und wollte sie am Abend mit seiner Freundin trinken.

Dann aber endlich ab. An der Kontrolle B ihre Boardkarte in die Hand gedrückt. Irgendwann musste sie schließlich auch wissen wo es hingehen sollte. Kopenhagen also. Carlsberg, Meerjungfrau, Tivoli und Christiania. Recht viel mehr wussten wir offen gestanden auch nicht. Bis zur Landung. Ein Blick über die Stadt blieb uns verwehrt. Ins Gespräch mit I vertieft dachte ich nach 45 Minuten gerade noch: Oh da wird’s ja schon…. Rumms. Gelandet. „Grün“ hätte der Satz eigentlich fertig heißen sollen. Bei Nebel und einer Sichtweite von 20 Metern hatten wir uns wohl schneller bewegt als ich denken konnte.

Cheers. Carlsberg geht vor Tuborg

Billigflieger haben übrigens einen Nachteil: Man ist auf Flughäfen immer irgendwo in der hintersten Ecke geparkt. Einmal also quer durch das Gelände. Treppen rauf, Laufbänder lang, Treppen runter. Und den Weg in die Stadt rein gesucht. S-Bahn? Metro? Die nette Dame am Ticketautomaten hat uns einen sehr freundlichen Empfang in Dänemark bereitet. Hilfsbereit, geduldig, freundlich. Und dank ihr sind wir dann mit der S-Bahn gen Hauptbahnhof aufgebrochen. Ein wenig Hoffnung hatten wir ja, dass der Nebel dort wenigstens 50 Meter Sicht zulassen würde. Aber hey, wer braucht schon Sicht. Unser Hotel haben wir auch so gefunden. Jeder mit einer Dose Tuborg bewaffnet also auf in die Straßen von Kopenhagen. Tuborg am Nachmittag vertreibt Kummer und Sorgen. Oder so ähnlich. Beschwingt waren wir allemal, als wir so die Vesterbrograde runterspaziert sind. Menschen überall, alle reichlich fröhlich. Nebel scheint den Dänen nicht sonderlich viel auszumachen. Exakte 1.100 Meter weiter also rein ins Carlton Hotel Guldsmeden. Ein netter, lustiger und charmanter junger Mann hat uns an der Rezeption gleich mal begrüßt. Als ob es C und mir ins Gesicht geschrieben wäre, hat er uns auch gleich den Code für das gratis WLAN in die Hand gedrückt. Oder aufgeschrieben – und sich noch für seine Handschrift entschuldigt. Wer eine Unterkunft zu fairem Preis in Kopenhagen sucht. Wir können das Hotel empfehlen. Sauber, nett, freundlich, ruhig, Himmelbett, gratis WLAN und ganz okay gelegen. Für uns zumindest.

Weil es dann gleich los ging zur Stadterkundung. Gut 500.000 Einwohner hat Dänemarks Hauptstadt. Unzählige Parks, Kirchen und Paläste. Eine sehr unaufgeregte Köngisfamilie (oder muss das in dem Fall nicht besser Königinnenfamilie heißen?), Einkaufsstraße, die eine oder andere Kirche. Dann: Christiania. Ob jetzt Kommune, Freistadt oder Experiment. Christiania besteht seit 1971 inmitten Kopenhagens und ist eine Welt für sich. Joints, Gras, Dope, Kekse, Bier, brennende Fässer, singende Afrikaner, zugedröhnte Pensionisten und die leckersten Brownies der Welt (die gibt’s übrigens beim Bäcker, 50 Meter nach dem Haupteingang rechts). Schräg. Anstrengend. Lustig. Anders. „Don’t run, have fun, no photographs“ lautet die Devise. Es ist kein Ort für Jedermann. Sicher nicht nach eines jeden Geschmacks. Aber ganz ehrlich: Es ist wunderbar und gut, dass es in unserem Europa solche Orte gibt.

Weil wir aber das Leben an solchen durchaus anderen Orten auch nicht gewohnt sind und eine Weile brauchen uns daran zu gewöhnen, machen wir Pause. Zur Erholung gibt’s Essen im Spiseloppen. Nicht ganz günstig. Aber sehr charmante Atmosphäre. Unter dem Dach im selben Haus wie der Christiania-Shop. Holzbalken, Holzboden, gedämpftes Licht, Kerzen. Eingedeckte Tische. Und  bei allem dem bleibt es doch ganz unaufgeregt. Die Karte gibt’s nur auf dänisch. Einige Gerichte konnten wir gerade so erahnen. Bei manchem konnte uns die österreichische Kellnerin weiterhelfen (Wie weit liegen Steyr und Kirchdorf auseinander? Nicht weit genug, um sich nicht doch in Kopenhagen zu treffen.). Bei manchem auch nicht. Das Essen war okay. Sagen wir mal, zu viel sollte man sich nicht erwarten. Die Atmosphäre macht schon viel wieder wett. Aber wir fanden’s schön. So ganz aus dem Rest von Christiania rausgehoben. Und es kümmert sich keiner, wenn vier Österreicher aus Berlin an einem Tisch mittendrin ganz viel Grund finden zu lachen.

Damit begann der Abend also. Der eine den wir hatten, auf unserem Kurztripp nach Kopenhagen. Drei Mädels und ich. Was dann noch kam waren Anmachen, fliegende Eier (wir dachten schon, wir wären Touristen in Kreuzberg), eine Meerjungfrau, die Erkenntnis, dass dunkle Backsteinhäuser schön sind und dabei nach Weihnachten aussehen, imposante U-Bahn-Stationen, noch mehr Lachen, das Sichten von durchschnittlich mehr hübschen Menschen als in Berlin und eine Heimfahrt mit 5 mal Umsteigen. Man kann nämlich in 45 Minuten von Kopenhagen nach Berlin fliegen, wenn man dank S-Bahn Zwischenstation am Treptower Park, am Ostkreuz, am Ostbahnhof und am Alex macht. Von Schönefeld zum Prenzlauer Berg dauert’s dann eben 1 Stunde und 45 Minuten. Naja. Billigflieger oder Deutsche Bahn… Nach Kopenhagen würde ich trotzdem wieder fliegen. Vielleicht auch mal, wenn der Nebel eine Sicht von mehr als 50 Metern zulässt.

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