Cleopatra in Salzburg


Jetzt war es also endlich soweit. Die ersten Salzburger Pfingstfestspiele unter der Leitung der großartigen Cecilia Bartoli standen ins Haus. Und ich durfte hinfahren. Große Vorfreude. Immerhin hatte ich auch die Gelegenheit, das Programm mitzugestalten. Eine schöne Mischung aus Kultur und Stadt, aus Essen, Trinken und Erholen. Also am Donnerstag rein in den airberlin-Flieger, in entspannten 60 Minuten ab in Richtung Berge und schauen, ob Salzburg mehr hat als Mozart. Die sind ja auch das mit beeindruckendste, wenn man am kleinen Salzburger Flughafen landet. Ein kurzer Blick nach links und da sind sie dann. Zum Greifen nah, die Gipfel noch von Schnee bedeckt werfen sie im strahlenden Sonnenschein ihre Schatten in Richtung Landebahn. Dass das wohl deutsche Berge sind, es sind ja gerade ein paar Kilometer zur Grenze, ist aber sicher kein Zeichen.

In 15 Minuten ist man dann also mit dem Taxi in der Stadt. Erster Programmpunkt: Das Museum der Moderne am Mönchsberg. Und das ist auch gut so. Weil kaum setzen wir einen Fuß aus dem Hotel raus, beginnt es wie aus Kübeln zu schütten. Wasser überall. Wo war nochmal die Sonne hingekommen? Aber mit dem Aufzug geht’s ja im Berg direkt zum Museum hoch. Trockenen Fußes. Drei Ausstellungen laufen gerade parallel. Röcke tragen. Ich & Ich. Dieter Roth. Von behaarten Männerbeinen in hochhackigen Schuhen geht es also durch eine Welt von Selbstbildnissen hin zu Skulpturen aus Schokolade, Vogelfutter und ähnlich appetitlichen Dingen.

Und weil soviel Kunst hungrig macht, kommt danach der erste Kulinarische Höhepunkt. Der Weiserhof von Roland Essl. Ein echtes, uriges, bodenständiges Wirtshaus mit eigener Metzgerei. Der Chef persönlich nimmt sich viel Zeit für uns. Erzählt uns, dass 90 % seiner Gäste Stammgäste aus Salzburg sind. Nur 10 % sind Touristen. Sehr sympatisch. Und weil wir ja zu den 10 % gehören und so unsere Not haben, aus der Karte zu wählen, gibt’s einfach portionsweise eine Auswahl auf des Chef’s Empfehlung. Gamssalami. Erdapfelkäs. Saumeisen. Katzengschroa. Ochsenschoas. Dazu Rhabarber-Holler-Saft und naturtrübes Bier. Macht satt. Macht glücklich. Und was es ist, ist dabei auch oft nicht so wichtig. Manchmal ist es vielleicht sogar besser, wenn man nicht so genau weiß, was man isst. Dann schmeckt’s nämlich auch.

Der zweite Tag gehört dann ganz der Stadt. Ein dreistündiger Rundgang mit Inez, ein Gespräch mit der Festspielpräsidentin, die Präsentation des 2012er Festspielweins, Mittagessen im St. Peter Stiftskeller. Und wenn dann die erste Premiere ansteht, die hübsch zurechtgemachten Menschen ins Festspielhaus strömen, sich dazwischen Donna Leon und Alexander Pereira tummeln, dann schlendern wir ganz entspannt  zum Abendessen ins Carpe Diem. Es muss ja nicht immer die Premiere sein – es gibt ja noch eine weitere Aufführung. Salzburg ist schon ziemlich gut darin, das Alte zu bewahren und es ganz harmonisch mit dem Neuen zu verbinden.

Und am Samstag dann die erste Cleopatra. Anthony and Cleopatra von Shakespeare steht als Lesung auf dem Programm. Sunnyi Melles gibt die ägyptische Königin. Ein wenig skeptischen sind wir ja schon erst. Zwei Stunden lang Shakespeare vorgelesen? Könnte anstrengend werden. Aber was für eine schöne Überraschung. Die vier Schauspieler leben sich richtig ein, tragen vor, lieben und leiden auf der Bühne. Und das Publikum mit ihnen. Neben Sunnyi Melles stehen dort Sven-Eric Bechtolf, Brigitte Hobmeier und Jens Harzer auf der Bühne. Ich bin verleitet zu sagen: Großes Kino!

Soviel Klassik will gebrochen werden. Also geht’s am Abend in den Hangar 7 von Red Bull. Flugzeuge stehen dort rum, Formel 1 Autos, Hubschrauber. Was man als Multimilliardär halt so sammelt. Der Hangar 7 drumherum ein Stahl-Glas-Konstrukt das tolle Atmosphähre schafft. Auch zum Essen. Für uns gibt’s Smart Food. Beauty? Brain? Mood? Entwickelt von Köchen und Ernährungswissenschaftlern. Ob’s hilft sei dahingestellt. Es schmeckt allemal. Und unter uns, wozu noch schöner, noch schlauer, noch besser gelaunt werden?

Nochmal Cleopatra am Sonntag um 11 Uhr. In der Felsenreitschule. Von englischen Gästen habe ich mir sagen lassen, eine wichtige Kulisse für „The Sound of Music„. Dort kann man nämlich lernen, dass man aus der Felsenreitschule durch einen Tunnel direkt in die Schweiz kommt. Das liegt wohl am Zauber der Festspielstadt. Und wer den Film oder das Musical nicht kennt: ging mir genau so…

Den entwickelt sie auch bei der bevorstehenden konzertanten Aufführung von „Cléopatre“ von Jules Massenet. Einfach nur wunderschön. 2 x 60 Minuten. Vor unvergleichlicher Kulisse. Kurz fragen wir uns, ob so eine Oper ganz ohne Spiel und Kostüm funktionieren mag. Ja. Sie mag. Ohne Ablenkung, mit Konzentration auf Musik und Gesang tauche ich einfach nur ab, versinke, tauche kurz wieder auf und fühle mich am Ende glücklich zurückgelassen. Heute höre ich die Cléopatre sogar im Büro – in einer Aufnahme mit Montserrat Caballe. So schön.

Damit die Schönheit noch unterstrichen wird, gab’s dann Mittagessen. Natürlich. Im Stieglkeller – der praktischerweise statt im Keller am Berg ist. Auf einer Terrasse mit grandiosem Blick über die Stadt, die unzähligen Kirchen, die Barockarchitektur, hinein in die Berge…

Wenn ich dann in den Flieger steige und 50 Minuten später in Tegel auf mein Gepäck warte, bin ich noch immer damit beschäftigt, die Bilder in meinem Kopf zu sortieren. Festung. Dom. Kirche. Donna Leon. Sonne. Moderne Kunst. Slow Food. Flugzeuge. Ein perfektes Wochenende in Salzburg. Bilder wie die oben und auch diese hier:


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