Ausflug nach Grafenegg

Wolkenturm in GrafeneggNach einem ganzen Tag voll mit Besprechungen und Workshops, haben wir uns vor ein paar Tagen aufgemacht, um Grafenegg zu erkunden. Mit Schloss, Wolkenturm und natürlich dem Restaurant von Österreichs Starkoch Toni Mörwald ist der kleine Ort in Niederösterreich mittlerweile ein beliebtes Reiseziel für Liebhaber klassischer Musik.

 

Schloss GrafeneggVon den Bildern, Bauten, Eindrücken abgesehen, haben wir dabei so manches gelernt. Das Schloss schaut auf eine bewegte Geschichte zurück. Und es ist kein Zufall, dass es an einen englischen Landsitz erinnert. Verantwortlich dafür ist Graf August Ferdinand Breuner-Enckevoirt. Er ließ sich ei einer ausgedehnten England-Reise dazu inspierieren und beauftrage Leopold Ernst, der 1858 zum Dombaumeister des Wiener Stephansdoms ernannt wurde, das Schloss grundlegend umzugestalten. Beim Wiener Börsenkrach von 1873 verloren die Grafen Breuner einen Großteil ihres Vermögens, sodass es nicht mehr zur Ausführung der geplanten mächtigen Kuppel im Südosten der Anlage kam, wodurch der Burgcharakter besser erhalten geblieben ist. Nach dem Aussterben der Grafen Breuner im Mannesstamm fiel das Schloss 1894 an den Herzog zu Ratibor und Fürsten von Corvey, seitdem ist das Schloss in Besitz des Hauses Ratibor, einer Nebenlinie des Hauses Hohenlohe.

Schloss GrafeneggBei der Besichtigung hat unsere Führerin uns viele kleine Geschichten erzählt und Details gezeigt. Es lohnt sich, eine solche Führung mit zumachen. Um die Figur im Eingangsbereich zu sehen, die von vorne Ritter, von hinten Jungfrau Maria ist. Um sich über den Seitenausgang des Arbeitszimmers aufklären zu lassen (hinter dem angeblich ein Gespenst wohnt). Um die vielen verschiedenen Stile zu entdecken, die im Schloss über die Jahrhunderte überlebt haben. 

Neben dem historischen Schloss ist es der ausgedehnte Landschaftsgarten, der viele Besucher anzieht. Zugegeben, wir haben nur einen kleinen Teil davon gesehen. Aber es war Herbst und so sind wir durch einen bunt leuchtenden Park spaziert.

Wolkenturm in GrafeneggFast noch wichtiger ist aber der Wolkenturm. Er ist der zentrale Ort für die sommerlichen Konzerte auf Grafenegg, die unter der Ägide von Rudolf Buchbinder stattfinden. Mit modernen Materialien erbaut, sehr puristisch in seinen Formen, fügt er sich doch sehr harmonisch in das Ensemble ein. Die Akkustik ist natürlich perfekt austariert und bei schönem Wetter kommen so bis zu 2.000 Menschen in den Genuss der klassischen Musik. Auch das ein großes Aha-Erlebnis. Denn die Architektur lässt den Wolkenturm viel kleiner erscheinen, als er in Wahrheit ist. Ein kleines Meisterwerk in der österreichischen Provinz. Und wenn es trotzt Sommers doch einmal regnen sollte, gibt es immer noch den Konzertsaal, in den Künstler und Publikum in kürzester Zeit umziehen können. Zu Kunst gehört heute eben auch die perfekte Logistik.

Musiksaal in GrafeneggUnd was wäre so ein Ausflug zu guter Letzt ohne passendes Essen. Deswegen lassen wir uns zum Abschluss von Meister Toni Mörwald verwöhnen. Er führt das Restaurant „Schloss Grafenegg“ unweit des Wolkenturms und begrüßt uns persönlich an der Tür. Eine seltene Gelegenheit, den vielbeschäftigten und vielfach ausgezeichneten Koch und Unternehmer zu treffen. Wir werden mit dem ersten Glühwein der Saison und mit Speck umwickelten Zwetschken empfangen. Das hebt die Stimmung nach einem langen Tag natürlich enorm. Das Essen im Lokal ist tadellos. Vom Speck zum Gedeck über die Forellenfilets bis hin zum Schokoladen-Dessert. Nicht übertrieben, nicht ausgefallen, bodenständig auf hohem Niveau. Das kann man vom Personal leider nicht unbedingt behaupten. Ich war durchaus erstaunt. In einem Lokal dieser Kategorie hätte ich doch etwas mehr Freundlichkeit, etwas mehr Professionalität und etwas mehr Aufmerksamkeit erwartet. Aber nichts, was die angenehme Gesellschaft nicht hätte wieder gutmachen können.

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