Ausflug in die Erleuchtungsfabrik

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Endlich ist es soweit. Zwei Monate durch Asien reisen müssten doch eigentlich reichen,
um endlich Zeit für ein Retreat zu finden. Dann gilt es im Vorfeld nur noch zwei Fragen zu klären: Kloster oder Meditationszentrum? Anfang, Mitte oder Ende der Reise? Nach langem Hin und Her entscheide ich mich für zweiteres: Ein Vipassana Meditationszentrum soll es werden, im Südosten Thailands. Es gibt einen Kurs am 25. November, passt doch. Auf dir Anmeldemail kommt eine erste Rückfrage, es kommt eine zweite Rückfrage, eine Bestätigung die noch einmal bestätigt werden muss. Am 25. November 2015 ist es also endlich soweit: zehn Tage Schweigen.

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Ich muss gestehen, ich bin in den Tagen davor nervös, unruhig, angespannt. Was erwartet mich da? Es wird anstrengend, klar. Aber wie anstrengend? Zur Einstimmung ziehe ich in ein kleines Hotel in einer Wohngegend von Chanthaburi – schon mal Einsamkeit üben. Denn die Regeln sind streng: kein Alkohol, kein Sex, keine Kommunikation, zehn Tage bleiben, die letzte feste Nahrung um 11:00 Uhr vormittags, sich streng an den Terminplan halten, sprich acht mal pro Tag meditieren. Ob ich das hinkriege? Ich bleibe gemäßigt optimistisch.

Es ist Mittwoch, es ist soweit. Um 14:00 Uhr fährt mein Bus am Busbahnhof von Chanthaburi ab. Um dem Fahrer verständlich zu machen, wo ich aussteigen will, zeige ich ihm den Eintrag auf Google Maps. Große Aufregung am ganzen Bahnhof: dieser Fremde fährt zum Vipassana Retreat. Ich nehme es als gutes Zeichen als eine junge Thai meint: ‚You can do that. It comes from the heart.‘

Mit dem Bus also Richtung Nirgendwo. Am Krankenhaus von Nirgendwo aussteigen, ein Motorrad Taxi finden und zum Zentrum bringen lassen.

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Es ist 15.30 Uhr und ich bin am Ziel. Also, eigentlich am Anfang. Die Dhamma Workers, wie die organisatorischen Helfer genannt werden, nehmen mich seht freundlich auf, ich muss nur noch vier Formulare ausfüllen. Um mich herum: Thais. Das ist also der internationale Kurs. Außer mir noch ein junger Schweizer, ein junger Amerikaner, und eine weltreisende Polin. Wir wechseln ein paar Worte, das Übliche, bevor es mit Reden vorbei ist. Ich bekomme ein Zimmer zugewiesen – C5 klein aber mein, sauber und sogar mit eigenem Badezimmer. Luxus-Meditation, denke ich noch, bevor ich die 3 cm hohe Matratze entdecke. Pass, Geld, Telefon, Tablet, Bücher, Stifte, Kamera sind in einem Schließfach der Dhamma Worker zu hinterlegen. Als ich den Schlüssel umdrehe wird mir klar: Jetzt wird’s ernst. Auf Wiedersehen, Welt.

Insgesamt rund 50 Menschen haben sich versammelt: vier Ausländer, 46 Thai. 30 Frauen, 20 Männer. Das ist wichtig denn es wird strenger Wert auf die Trennung zwischen Mann und Frau gelegt. Es gibt einen eigenen Eingang für Frauen, einen für Männer. Es gibt einen kleinen Meditationsraum für Frauen, einen für Männer. Es gibt einen Wohnbereich für Männer, einen für Frauen. Insgesamt haben wir wohl auch Glück, den Frauen bekommen noch gesonderte Aufgaben übertragen: Den Boden im Speisesaal fegen, Gemüse schneiden oder sonstige Kleinigkeiten die so anfallen. Wir Männer gehen leer aus. Irgendwie schon recht ‚traditionell‘.

Die vier Ausländer werden in die kleine Meditationshalle gebeten. Auf dem LG Fernseher , doch noch ein alter Vertrauter, werden uns zwei Clips vorgeführt. Einmal Audio, einmal Video. Sie erklären uns noch einmal die Regeln, die wir zwei Mal per Mail bekommen haben, die wir bei der Ankunft unterschrieben haben. Im Anschluss werden sie uns von einem der Dhamma Worker noch einmal dargelegt. Ich glaube, ich habe sie dann verstanden.

imageEs folgt: Nummernvergabe. Ich bekomme die Acht und sehe das gleich als gutes Omen – acht ist doch meine Glückszahl – und mein Geburtstag. Die Zahl der Unendlichkeit – naja zumindest für zehn Tage. Sie steht für unseren Platz in der großen Halle. Dort liegt ein Kissen mit unserer Nummer bereit und auf ihm werden wir bald täglich bis zu 11 Stunden sitzen.
Nach dem letzten kleinen Abendessen für zehn Tage ziehen die Karawanen los – linker Eingang Männer, rechter Eingang Frauen. Es geht endlich in die große Meditationshalle. Irgendwie lustig, in jedem Fall sehr aufregend. Tief durchatmen. Ab jetzt gelten die Regeln. Ab jetzt dürfen wir uns nicht nur nicht mehr unterhalten, auch Blickkontakt oder Gesten sind verboten. Die Stimmung ist freudig gespannt. Wir ziehen ein, nehmen unsere Plätze ein. Die Meditationshalle ist ein großer Raum, länglich, ganz in weiß, nur die Meditationskissen sind blau. Hellblau für die Männer, dunkelblau für die Frauen. An der Stirnseite gibt es zwei Türen. Vor den Türen, ein kleines Podium mit zwei Sitzen. Weiß. Das ist der Bereich für die Lehrer. Herantreten nur nach Aufforderung. Hier sitzen also nun 50 Menschen, zwischen 20 und 70 Jahren, aus unterschiedlichen Teilen der Welt. Was uns eint? Wir haben uns für Meditation entschieden. Wir versprechen uns davon: Erkenntnis.

Die in mir wütende Aufregung, Nervosität, Spannung, beginnt sich langsam zu legen. Mir ist nicht mehr, wie in den letzten Tagen, abwechselnd heiß und kalt. Wie auch, bei gekühlten 18 Grad in der Halle. Ich werde ruhig. So eine Meditationshaltung hat etwas vertraut Beruhigendes an sich.

Ein wenig fühle ich mich unterdess an eine Kühlhalle erinnert. Eine große, weiße, kalte, in der Rinderhälften gelagert werden. Nur dass wir noch ganz sind. Aber manchmal wird man während der Meditation ja durchaus einmal auseinandergenommen.

Die Türen am Kopfende des Saales gehen synchron auf. Die Lehrerinnen treten ein, setzen sich auf ihre Plätze. Es gibt eine kurze Begrüßung auf Thai, eine auf englisch. Die Nervosität ist jetzt ganz weg, ich kann endlich anfangen. Verbotenerweise schaue ich mich unter den anderen Teilnehmern um. Bei den ’new students‘ gibt es Regungen. Die ‚old students‘ nehmen es gelassen.

Es ist 20 Uhr. Es folgt: die erste Überraschung. Nicht unsere Lehrerinnen leiten uns an. Sie tippen auf ihr iPad. Daraufhin tönt aus den Lautsprechern eine laute, alte, männliche Stimme. Schwer zu verstehen. Englisch mit diesem unverkennbar indischen Einschlag. Sie spricht ein paar Worte, beginnt dann zu Chanten. Muss hier jetzt wirklich außer mir niemand grinsen? Ich denke an einen sturzbetrunkenen Helmut Qualtinger, der Arnold Schönberg singt. Nein, nicht schön. Ich schelte mich für diese Assoziation. Aber es soll hier ja auch 10 Tage um mich gehen, nicht um S N Goenka. Seine Stimme schallt uns da entgegen. Er ist der Begründer der Dhamma Vipassana Zentren. Ein Grußwort, ein Segen sozusagen. Wie nett.

Seine Stimme verklingt aber nicht. Der nächste Track am iPad erklärt uns, wie wir in die Meditation einsteigen sollen. Aha. Ich fahre also nach Thailand, um Meditationsunterricht vom Band zu bekommen. Echt jetzt? Ich atme.

Nach einer Stunde ist der erste Tag dann gelaufen. Ich habe meinen Atem verfolgt. Ein. Aus. Nur folgen, nicht steuern. Und wenn die Gedanken abwandern, bring sie wieder zum Atem zurück. Und wie sie abwandern. Und wohin…

21 Uhr in die Zimmer, 22 Uhr Nachtruhe. Das Bett ist steinhart. Endlich bin ich hier. Ein erhebendes Gefühl. Ich schlafe wie ein Baby.

4 Uhr. Die Glocke weckt uns. 4.25 Uhr, die Glocke erinnert uns daran, dass ab 4.30 Uhr Meditieren angesagt ist. Entgegen meiner sonstigen Konstitution, ich geh lieber um 4 Uhr schlafen, wandere ich hellwach über das dunkle Gelände. Ich bin einer der letzten in der Halle. Alle sitzen, still, die Meditation hat begonnen.

Nach einer Stunde gehen die Lehrertüren auf. Ah, heute also. Sie setzen sich. Ich warte gespannt auf ihre Stimmen. Sie tippen auf das iPad. S N Goenka beginnt zu Chanten. Das klingt dann so: http://youtu.be/m41Mb_Mdm2w Es gibt keine Uhr. Ich weiß nicht, wie lange das dauert. Es kommt mir vor wie eine Ewigkeit. Dann beginnen die Instruktionen. Jeweils abwechselnd auf Thai und englisch. Be attemptive, work hard, follow your breath. Don’t control it. If it goes through your left nostril, it goes through your left nostril. If it goes through your right nostril, it goes through your right nostril. Sometimes it may go through both nostrils simultaneously. Breath comes in, breath goes out. Uns gehört Formlos ganze Aufmerksamkeit – oder so.

Ungefähr so lange wie das Chanten, dauert auch die folgende Instruktion. Ich bin versucht, das Wort ’nostril‘ zu zählen, statt zu atmen. Ein. Aus. Atmen. Nicht denken.

Die zweite Stunde endet mit… Chantendem Goenka. Frühstück und Pause. Es gibt Salat, Tee, Nescafé, geräuchert schmeckende Suppe.

8 Uhr. Groupseating. So heißt das, wenn ausnahmslos alle in der großen Halle zu sein haben. Die Lehrer tippen auf das iPad. Goenka chanted, erklärt uns den Atem, spricht von unserEM ’nostrils‘. Nach 15 Minuten: Ruhe. Ich bin erstaunt wie leicht mir das Meditieren dann wiedef fällt. Gut nur, dass ich eine lange Jacke anhabe. 18 Grad hier, 32 Grad draußen.

In der nächsten Einheit bleiben nur die old students, die new students meditieren in ihren Zimmern. Geht gut, bin erstaunt. Wenn ich nur nicht immer diese Stimme vom iPad im Kopf hätte. Sie spukt in meinem Hirn und ist erstmal das Einzige, was sich zwischen meine Atmung und mich drängt. Manchmal muss ich meint Haltung ändern. Der Rücken zieht. Ein. Aus. Ein. Aus. Den Blick durch die geschlossenen Augenlider auf die Nasenspitze zu richten hilft, das weiß ich schon.

Mittagspause. Vegetarisch. Schmeckt. Pause. Jeder meditiert eine Stunde in Ruhe in der großen Halle. Es ist großartig, wie sehr man die Zeit verlangsamen kann. Das genaue Gegenteil des sonstigen Lebens. Ich erlebe jede einzelne Minute. Bewusst. Beeindruckend. Die Lehrerinnen kommen, tippen das iPad an. Wir hören: die Stimme Goenkas. Kurzes Chanten, aufmerksame nostrils. Ich folge nur meinem Atem. Ganz ruhig verfolge ich, wie er kommt wie er geht.

Nur dauert es immer länger, bis ich nach einer solchen Wortspende zu meiner Konzentration zurückfinde. Vom Sitzen, es dürften jetzt gegen 16.30 Uhr schon so um die acht Stunden in Meditationshaltung sein, tut mir langsam alles weh. Rücken, Beine, Schultern. Das gehört dazu. Pause. Es gibt nochmal Tee für alle, Mandarinen für die Neuen. Das war’s mit Essen für heute. Geht eigentlich ganz gut. Der Atem ist wichtiger. Je länger ich ihm folge, desto ruhiger werde ich.

Groupseeting. Chanten und Einleitung. Breath und nostrils. 15 Minuten lang. Ich brauche 20, um diese Stimme wieder aus meinem Kopf zu kriegen. Kann jemand dieses iPad verstecken, damit die Lehrerinnen selbst unterrichten können? Ein. Aus.

Dhamma Discours. Die Ausländer treffen sich wieder in der kleinen Halle. Via USB Stick zeigt man uns auf LG eine Stunde Goenka. Diesmal mt Bild. Er sitzt mit einer älteren Frau in rosa Gewändern, von der wir nicht erfahren wer sie ist, vor der Kamera. Sie sieht gelangweilt aus. Wischt sich manchmal den Schweiß von der Stirn. Irgendwann beginnt die Kamera damit, sie sukzessive wegzuschneiden. Nach einer Stunde sehen wir nur noch ihren Schatten. Goenka spricht über die Technik. Die Meditationstechnik. Wir sollen ihr folgen. Sie führt uns zur reinen Wahrheit. Nur sie eröffnet uns den Blick in die tiefe Einsicht. Nur sie. Andere Techniken sind schön und gut, aber oberflächlich. Tausende Schüler haben mit seiner Technik gelernt, sind seinem Stundenplan gefolgt. Mit ihr werden wir die tiefe Wahrheit erkennen, sie wird uns zeigen, was der wahre Sinn des Lebens ist. Deswegen müssen wir jetzt 10 Tage hart arbeiten. Unserem Breath folgen, nicht steuern. Dann werden wir Erfolg haben. Wir werden unsere Seele zerlegen wie ein Chirurg. Sie aufschneiden. Damit wir unsere wahren Probleme erkennen. Aber das geht nur mit dieser Technik. Spricht er, dort auf dem Fernseher vor uns. Eine aufgezeichnete Rede, wohl viele Jahre alt. Hunderte Male gezeigt. Spricht er, voll Wissen und Einsicht. Lässt sich freudig von seinem damaligen Publikum bestätigen, jede Anekdote belachen. Wer war nochmal dieser Schatten?Achja, nur eine Frau.

Ich bin jetzt also hier, 8.000 Kilometer von zu Hause, um einem indischen Guru zu lauschen, am iPad und im Fernsehen. Soll ihm folgen, weil seine Technik der Heilsbringer ist. Ich bin durch. Mit mir, der Welt, meinem Atem, meinen Nostrils. Irgendeinmal regt sich Widerstand. Zufällig erklärt er gerade, dass das normal ist. Für die Unwissenden. Weil sie Angst haben. Ich will ihm glauben.

Noch einmal 45 Minuten Meditieren. Wird nix. Alles tut weh, Konzentration dahin. Und diese Stimme will nicht aus meinem Kopf. Work hard, work decently, diligently. Ja. Dazu bin ich doch hergekommen, verdammt nochmal. https://youtu.be/oJxuIMGC9s4

Um 21 Uhr liege ich im Bett. Geistig und körperlich komplett verbraucht. Ich schiebe es darauf, dass sich beim Gedanken an Goenka immer etwas dunkles, unangenehmes in mein Gehirn schiebt. Das fühlt sich schon fast wie Panik an. Will ich hier wirklich bleiben? Will ich diese Technik wirklich lernen? Von den kostbare. Stunden Schlaf liege ich noch drei wach. Bleiben nur noch 5 bis zur Glocke. Aber das ist ja normal, sagt er.

Punkt Vier. Die Glocke. Kurz in mein Hirn reinhören. Ach, alles gar nicht so schlimm. War nur die Erschöpfung. Fröhlich mache ich mich auf zur Meditation. Ich sitze gut, bin guter Dinge, Konzentration ist da. Nur so ein Schatten von: willst du wirklich diesen Weg gehen? Willst du 10 Tage lang, 11 Stunden am Tag diese Technik lernen? Und 11 Stunden Meditation sind sehr, sehr lange, dehnen einen Tag bis zu seiner doppelten Zeit aus. Nach einer Stunde bin ich wieder bei mir. Ganz ruhig. Die Türen gehen auf, die Lehrerinnen treten ein, tippen auf das iPad. Ein neuer Gruß für den neuen Tag. Es folgen Anleitungen zu Breath und Nostrils. Sie werfen dunkle Schatten über meine Konzentration. Nach dem Ende der Instruktionen wird es besser. Nach dem Frühstück (diesmal Reissuppe) richtig gut. Zum Groupseeting ist Goenka dank iPad wieder bei uns. Work hard, if it comes through your right nostril, breath… Langsam bekomme ich Gänsehaut – trotz Jacke.

Die old students bleiben, die new students dürfen bleiben oder am Zimmer meditieren. Zimmer.Rauszufinden, warum sie uns nicht unterrichtet. Im Gedanken gehe ich die Regeln durch. Bisher eigentlich alles so gar kein Problem. Selbst an nicht reden kann man sich gewöhnen. Und wenn man Pause hat, am besten einfach schlafen. Der gewohnt Griff zu Buch oder iPhone geht ja doch nur ins Leere. Und denken. Hane ich überlesen, dsss ich von einem iPad unterrichtet serde? Will ich durch das Abwälzen auf Goenka meine eigene Schwäche vertuschen? Habe ich Angst davor worauf ich bei der Meditation stoße? Sei mal ehrlich. Okay. Zweimal nein. Was ist es denn dann? Gute Frage. Keine, die man mit dem Kopf beantworten kann. Es fühlt sich aber verdammt verkehrt an.

Glocke. Mittagspause. Mittlerweile, stelle ich fest, jagt mir schon die Erwartung der Stimme vom iPad kalte Schauer über den Rücken. Ich beschließe, einen Termin mit den Lehrerinnen zu machen. Sie sollen mir helfen, dem auf den Grund zu gehen. 11.50 Uhr empfangen sie mich. Das erste mal reden nach fast zwei Tagen. Ich erkläre ihnen, dass es mich unangenehm berührt, dass ich hierher gekommen bin, um jetzt einer Stimme vom iPad zu lauschen. Einer Stimme, die für mich etwas unangenehmes, unechtes, ich will fast sagen nervendes hat, wie sie da via Lautsprecher über 50 Menschen in einer sterilen, kalten Halle ohne Sonnenlicht hereinbricht. Die Vorstellung, jeden Abend vor einem Fernseher zu sitzen und dem Guru bei einer vor Jahren aufgezeichneten Rede zu lauschen, erschreckt mich. Das alles ist … Mir kommt ein Wort in den Sinn: entmenschlicht. Eine Meditationsfabrik. Warum sie den Unterricht nicht leiten, frage ich.

Sie sagen darauf nur: ‚We are not good enough for that. Only he is.‘ Diese Worte treffen mich wie ein sprichwörtlicher Blitz. Ich verzichte darauf, bei ihnen weitere Hilfe zu suchen. Stattdessen breche ich eine der Regeln. Ich erkläre, dass ich das sehr bedaure. Aber dieser Weg ist nicht meiner und ich sehe mich außer Stande, ihn auch nur einen Schritt weiterzugehen. Diese Erkenntnis kommt überraschend, selbst für mich. Aber sie steht mir in diesem Moment so klar vor Augen, dass kein anderer Schluss zulässig ist. So ist das also, wenn man vom Blitz getroffen wird.

‚We can’t keep you here, if you are sure about that.‘ Wir einigen uns auf 14.30 Uhr als Abreisezeit. Dann sind alle anderen im nächsten Groupseeting und keiner wird durch meine Abreise gestört oder verunsichert. Es sind lange zwei Stunden in meinem Zimmer. Absurderweise gehe ich allen aus dem Weg. Als ob man es sonst merken würde. Einer der Dhamma Worker hilft mir bei den Abreisevorbereitungen. Jetzt darf er auch wieder mit mir sprechen. Er Meute: ‚I’m so sorry Markus. But I totally understand. And I find it very brave to admit, that this is not your way. And you know, I left my first retreat unfinished too.‘ Da weiß ich einen Moment lang nicht, ob ich auch stolz sein soll, oder am Boden zerstört.

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Nach ziemlich genau 48 Stunden setzt das Motorradtaxi mich dort an, wo es mich abgeholt hat. Ich stehe an einer staubigen vierspurigen Straße, mitten im thailändischen Niemandsland. Ein klappriger alter Bus kommt angefahren. Ich winke. Chanthaburi? ‚Ah, Chanthaburi!‘ bekomme ich als Antwort. Ich steige ein und fühle mich ein klein wenig erleuchtet und ein ganz großes Stück erleichtert.

Nachsatz: Meditation ist etwas sehr persönliches. Für mich war die Erfahrung in diesem Zentrum sehr wertvoll. Wenn auch keine schöne. Meditation und das Erlernen von Techniken via iPad und Fernseher mag in unsere Zeit passen, aber es passt nicht zu mir. Mittlerweile weiß ich, dass es alle Dhamma Discourses und alle Chantings sogar auf YouTube anzusehen gibt. Eins zu ein, wie wir sie im Zentrum gesehen und gehört haben. Ihr könnte Euch also selbst ein Bild machen – und müsst dazu nicht mal nach Asien. Für andere Menschen mag diese Form genau richtig sein – das soll hiermit in keinster Weise abgewertet werden. Es gibt weltweit unzählige Zentren, die diese Technik lehren, unzählige Kurse jedes Jahr. Mir bereitet es Unwohlsein. Und auch wenn da nach wie vor ein kleiner Zweifel in mir ist, ob ich nicht einfach versagt habe, nur länger hätte durchhalten müssen. Der viel größere Teil sagt: Du hast das einzig Richtige getan.


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