Meine 6 Tipps für Bangkok

Ich habe es ja schon das eine oder andere Mal erwähnt: Ich liebe Bangkok. Mittlerweile war ich dann auch schon sieben Mal dort. Die Stadt ist ein Moloch: riesig, laut, dreckig, lebensgefährlich und sie erstickt manchmal fast in ihrer dreckigen Luft. Aber sie ist einfach eine DER Metropolen Asiens – international, modern, mit einer Skyline zum Nicht-Satt-Sehen. So wahnsinnig viele Sehenswürdigkeiten hat sie dann auch gar nicht zu bieten. Allerdings gibt es eine unendliche Fülle an Dingen zu tun und zu erleben. Die folgenden Sechs sollte man (aus meiner ganz persönlichen Sicht) auf keinen Fall auslassen.

1. Ab in die Skybar

BKK_IMG_6102Keine Frage, Skybars findet man in Bangkok (wen wundert’s, bei dieser Dichte an Wolkenkratzern) wie Sand am Meer. Jede hat ihre Freunde und Fürsprecher, jede mit ihrem Ausblick ihren eigenen Charme. Um die Auswahl zu erleichtern, plädiere ich für zwei ganz unterschiedliche Orte: Die Moon Bar im 61. Stock des Banyan Tree und das Roof 409 im Mercury Tower.

Die Moon Bar ist ein Klassiker. Ich werde nie vergessen, als ich an einem 30. Dezember im T-Shirt da in Hunderten von Metern Höhe saß, fasziniert auf den Wahnsinn von Bangkok hinuntergeschaut habe, die Sonne das erste Mal im Smog untergehen sah und vor lauter Staunen mein Cocktail am Tisch vor mir warm wurde. Ja, sie ist nicht die billigste Bar der Stadt – aber das würde wohl auch keiner erwarten. Dafür ist der 360 Grad Blick von der Sathon Road atemberaubend und die Stimmung sehr entspannt. Da kann man guten Gewissens auch als Backpacker mal was anderes als Flip Flops anziehen, dann kuckt auch keiner komisch.

BKK_IMG_3202Das Roof 409 hat Sidd mir bei meinem letzten Bangkok-Besuch gezeigt. Eine Skybar im Mercury Tower, gleich neben der BTS-Station Chitlom. Wenn die Stadt sich nach Sonnenuntergang in ihrer ganzen Licherpracht zeigt, sitzt man da, umgeben von Hochhäusern und absurden Einkaufszentren, schaut auf einen kleinen Park und eines der wenigen alten Häuser in dieser Gegend Bangkoks. Rund um einen herum treffen sich die Expats, die hier in der Ecke arbeiten und ihren Arbeitstag Revue passieren lassen. Definitiv ein Ort, an dem man das internationale Bangkok live und auch mal abseits der klassischen Touristen-Tipps kennen lernen kann.

2. Mit dem Taxi vom Flughafen in die Stadt

 

BKK_IMG_3456Natürlich kann man nach der Landung auch wunderbar mit dem Skytrain in die Stadt fahren. Ist nach so einem Flug schon mal gut für die Öko-Bilanz (oder zumindest für das Gewissen). Aber einmal sollte man mit dem Taxi über den Tollway nach Bangkok reinfahren. Wenn man sich das erste Mal festhalten muss, weil man sich noch nicht an die ausgefeilten bis brutalen Überholmanöver thailändischer Taxifahrer gewöhnt hat. Wenn man irgendwann die mehrfamilienhaushohen Werbetafeln nicht mehr zählen kann. Wenn irgendwann auf der rechten Seite das bizarr kleine Gebäude der Verkehrslenkung für den Großraum Bangkok vorbeizieht (dessen Absurdität einem sicher schon nach wenigen Stunden in der Stadt klar wird). Wenn dann langsam die ersten Wolkenkratzer auftauchen, es immer mehr werden, man sie aus der Ferne ob ihrer Unterschiedlichkeit noch auseinander halten und bewundern kann. Wenn der Taxifahrer dann den Blinker setzt, den Tollway verlässt und man sich plötzlich im Wahnsinn des „echten“ Bangkoker Verkehrs wiederfindet – und man von den Hochhäusern nur noch die ersten 10 Stockwerke sieht. Dann ist man in Bangkok – und es ist ein tolles Ankommen.

3. Mit dem Motorradtaxi durch die Stadt

BangkokIch gebe zu, mir macht es einen Höllenspaß, mit dem Motorradtaxi durch Bangkok zu fahren. Aber ganz pragmatisch ist es einfach auch die einzig sinnvolle Weise der Fortbewegung abseits von Fluss, Skytrain und U-Bahn. Taxi und TukTuk stehen im Stau, zu Fuß ist ohnehin keine Option. Und so ein Motorradtaxi schlängelt sich durch vier Spuren Autos, vorbei an Essenständen, über rote Ampeln und im Pulk auch mal zu fünft auf einer Spur durch die Stadt. Als Europäer wird man vor dem Aufsteigen gern auch noch ein zweite Mal gefragt, ob man das denn wirklich will. Ja, man will. Kopf ausschalten und genießen.

4. Mit dem Boot über den Chao Phraya

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Ich merke schon, meine 5 Tipps haben ziemlich viel mit Fortbewegung zu tun. Aber mit dem Boot (und vermeidet dabei einfach das blaue Touristenboot, die anderen kosten nur einen Bruchteil) über den Fluss ist zum Einen eine staufreie und schnelle Art durch die Stadt zu kommen, zum anderen macht es einfach Spaß. Wenn das Wasser nach ob schwappt, wenn die Leute Platz für die Mönche machen, wenn der Bootsführer bei jedem Anlegen und Abfahren mit voller Kraft in seine Pfeife bläst. Und wenn man, wie ich, feststellt, dass sein eigenes Ziel gerade renoviert wird, fährt man einfach ein paar Stationen weiter, setzt sich in irgendein Lokal am Fluss und trinkt einen Fruitshake. Dabei lässt sich das Treiben am Wasser wunderbar beobachten.

5. Sich massieren lassen

BKK_Ruen NuadBei uns in Europa hat die Thai-Massage ja häufig einen etwas zwielichtigen Ruf. Wenn man in den weniger touristischen Gegenden Thailands unterwegs ist, erschließt sich oft nicht, woher das kommt. In Bangkok wird es dagegen recht schnell klar. Das Angebot an Thai-Massage ist riesig. Vor den Salons sitzen und liegen junge Frauen und Männer, versuchen mit freundlichem Lächeln, verführerischen Gesten oder unschlagbaren Preise die Kundschaft für sich zu gewinnen. Persönlich muss ich an dieser Stelle gestehen: Ich bin ein Spießer. Allein die Vorstellung, dass jemand mir nach der Hälfte der Massage versucht, ein Happy-End zu bereiten, lässt mich sehr unentspannt werden. Deswegen bin ich auch sehr wählerisch, was das Angebot in Bangkok betrifft. Eine großartige Entdeckung habe ich beim letzten Besuch gemacht. Etwas von der Straße nach hinten versetzt, in einem wunderschön renovierten alten Haus, findet sich das Ruen Nuad Massage Studio. Klassische Thai-, Öl- oder Sportmassagen hat man hier zur Auswahl. Die Masseurinnen verstehen ihr Handwerk, plaudern miteinander höchstens im Flüsterton und gehen auf das individuelle Schmerzempfinden der Kundschaft ein (was bei Thai-Massage schon ganz gut ist). Ich bin nach eineinhalb Stunden Massage und einer Tasse Tee auf die Convent Road zurückgeschwebt.

5. Sich über die Stille und den Ausblick im Wat Arun freuen

Bangkok_6877Der Wat Arun, direkt am Fluss gelegen, ist für mich der schönste Tempel der ganzen Stadt. Er prahlt nicht mit goldüberzogenen Stupas, seiner Tradition der Thai-Massage oder seiner Nähe zum Königspalast. Genau das ist seine Stärke. Um ihn zu erreichen, muss man ans andere Ufer des Chao Phraya – zu Fuß über die Brücke am Yodpiman River Walk oder mit der Fähre vom Anleger Tha Tien. Aus der Ferne strahlt er in weißer Erhabenheit große Ruhe aus. Je näher man ihm kommt, desto klarer wird die Kunstfertigkeit, die sich in der vermeintlichen Einfachheit verbirgt. Weiß, Grün, ein wenig Gold sind die vorherrschenden Farben, die sich in den Kacheln, Figuren und kleinsten, kunstvollen Details finden. Viel weniger Menschen als rund um den Königspalast oder Wat Pho tummeln sich hier – entsprechend ist es auch deutlich ruhiger. Der Auf- (und vor allem Ab-)stieg auf die Plattform beginnt recht harmlos, wird aber mit zunehmender Höhe anspruchsvoll. Der Blick von oben entlohnt aber für jede Mühe. Am gegenüberliegenden Ufer leuchten Wat Pho und Köngispalast, am Chao Phraya tummeln sich Fähren, Expressboote, Touristenboote, Schleppkähne und undefinierbare Gefährte. Ich könnte jedesmal stundenlange dort oben stehen, die Ruhe inmitten dieser Großstadt genießen und wie aus einer anderen Welt auf den Trubel schauen. Ich könnte jedes Mal hunderte Fotos machen – und am Ende kann doch keines zeigen, was den Zauber dieses Ortes ausmacht. Deswegen finde ich: alle anderen Tempel, schwimmende Märkte oder Königspalast (ich finde ja den in Phnom Penh schöner) – kann man machen. Wat Arun – muss man machen.

6. Eine Nacht durch Silom treiben lassen

BKK_IMG_6771Das Gegenprogramm zu Wat Arun ist eine Nacht rund um die Silom – aber ohne, wäre es dann doch nicht Bangkok. Auf der Silom selbst, zwischen MRT Silom und BTS Sala Daeng, werden zum Sonnenuntergang unzählige Essensstände aufgebaut, Händler verkaufen von Handy-Ladegeräten bis Unterhosen alles was man nicht braucht. In den Seitenstraßen erwacht langsam das Leben. Eine Soi widmet sich ganz den erotischen Gelüsten der Japaner, in einer gibt es die berühmten Ping-Pong-Shows (der Eintritt ist oft frei, das Trinkgeld und die Drinks drin machen das wieder wett), eine Soi ist den schwulen Besuchern gewidmet. Dazwischen findet sich der Patpong-Nachtmarkt. Hier tummeln sich zwischen den Touristen gewiefte Schlitzohren, Prostituierte, Ladyboys, Animateure und Gestrandete. Man sollte sich wirklich einmal für ein paar Stunden durch diese Straßen treiben lassen, sich auf das eine oder andere Angebot einlassen (es muss ja nicht gleich ein sexuelles sein) und ein sehr enthemmtes, viel weniger zivilisiertes und auf Zukunft ausgerichtetes Bangkok erleben. Es muss ja nicht jeder Abend sein – wobei mancher Tourist erst nach Tagen aus diesem Mikrouniversum aufgetaucht sein soll.

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