5 Tipps für Tiflis

Tiflis Schwefelbäder

Georgien, frühere Sowjetrepublik Grussinien und Übergang von Europa nach Asien. Seine Hauptstadt Tiflis hat mehr als eine Million Einwohner. Wer jetzt Bilder im Kopf hat: sie stimmen. Zumindest zum Teil. Wir sind zu fünft unterwegs durch dieses Land zwischen Aserbaidschan, Kaukasus und Schwarzem Meer. Wir reisen in einer Mischung aus Backpacking und gehobener Mittelklasse. Mal ist es der Linienbus für 0,50 Cent, mal ist es das paradiesische Weingut mit Weinkeller und Pool. Nur den Luxus lassen wir aus – obwohl es ihn hier durchaus gibt. Er gehört aber nicht zu unserer Vorstellung von Reisen, vom Land-und-Leute-Kennenlernen.

1. An- und Einreise

Tiflis Georgien WeinUnsere Reise nimmt ihren Anfang in Berlin – einen Direktflug Berlin – Tiflis gibt es aktuell noch nicht. Deswegen bringt uns Ukrainian Airlines über Kiew nach Georgien. Ein Visum braucht man als Deutscher oder Österreicher nicht. Recht schnell merkt man aber, dass sich das Ankommen hier vollkommen anders gestaltet als in jedem anderen Land, das ich bisher kennengelernt habe. Zugegeben, wir hatten es ja vorab schon gelesen – und für einen Scherz gehalten. Wer glaubt so etwas denn schon. Wer als Nicht-Georgier am Flughafen von Tiflis ankommt, erhält an der Passkontrolle nicht nur einen Stempel in seinen Pass. Obendrauf gibt es eine Flasche Rotwein als Willkommensgeschenk. Ein grandioses Ankommen. Wie wäre es mit Mannerschnitten in Österreich oder Gummibärchen in Deutschland?

2. Vom Flughafen in die Stadt

Tiflis Ankommen MarshrutkaAnkommen am Flughafen von Tiflis heißt auch, wie an so vielen Orten, von Taxifahrern bestürmt zu werden.  Wir haben alle Angebote ausgeschlagen und stattdessen den Lininebus genommen. Unsern 20 Lari Schein für die Fahrkarten wollte der Schaffner nicht nehmen – der Fahrpreis pro Person liegt auch nur bei 0,5 Lari. ‚Only coins‘. Es rät sich also, für das Geld frisch aus dem Automaten schon mal eine Flasche Wasser zu besorgen und Kleingeld bereit zu halten. Uns hat eine ältere Frau ausgeholfen. Mehr als ein Dankeschön hat sie dafür von uns nicht angenommen.

Die darauf folgende Fahrt (bei Bedarf bis zur Central Station) ist durchaus abenteuerlich, heiß, laut und bunt. Aber sie bringt die Ankommenden über einen Hang in die Stadt hinein, gibt einen perfekten ersten Blick frei, führt über den Liberty Square die Rustaveli Avenue entlang und wird so zur ersten, kostengünstigen Stadtrundfahrt.

3. Essen und Trinken

Kochen können sie, die Georgier. Wenn man hier essen geht, ist das eine gesellige Sache. Man bestellt einfach mehrere Gerichte, die werden in die Mitte des Tisches gestellt und jeder bedient sich. Kachapuri, würziger Rindfleischeintopf, grandios eingelegte Gurken, Lobio, Khinkali, … Essen so abwechslungsreich, dass man sich ohnehin nicht für ein einzelnen Gericht entscheiden könnte.
Jetzt kann man natürlich in der Altstadt essen, wenn man sich von einer jungen Frau oder einem jungen Mann auf der Straße dazu animieren lässt – oder man streift durch die Stadt und gesellt sich zu den Georgiern, die in einer der Kneipen im Souterrain gemeinsam ihr Abendessen zelebrieren. Uns hat diese zweite Variante einen wunderbaren Abend beschert – mit dem Dank der Wirte, dass wir bei ihnen waren, obwohl es doch gar nicht so luxuriös sei. Dabei waren wir diejenigen, die danken mussten. Und bei bei einer Rechnung von 38 Lari für 5 Personen – mit Schnaps und 2 Litern Wein – fast beschämt nach Hause gingen.

Man kann sich auch einen der Clubs oder Bars und der Altstadt aussuchen, dort bei House in chilligen Loungemöbeln Heineken trinken und einfach vergessen, wo man heute Nacht so ist. Ich kann aber auch das Café Gallery neben der Rustavelli Avenue, das Moulin Electrique im Innenhof neben der Synagoge und die Open Air Kneipe westlich der Metro Rustavelli (einfach den Berg runter und hinter der Unterführung links) empfehlen. Menschen zwischen hip und entspannt, angenehme Atmosphäre und Touristen in der Minderheit.

4. Bier oder Wein

Tiflis Georgien WeinWein kann man in Tiflis (und in ganz Georgien) praktisch überall kaufen und überall trinken. In speziellen Weinläden, in Weinbars, in Weinkellern, im Supermarkt und natürlich im Restaurant. Dabei empfiehlt es sich natürlich, georgischen Wein zu trinken. Der schmeckt manchmal durchaus gewöhnungsbedürftig, ist aber jeden einzelnen Versuch wert – selbst wenn der weiße Hauswein für 2 Lari mal ziemlich rosé daherkommt. Warum das so ist? Das lässt man sich aber am besten auf einem Weingut in Kachetien erklären.

Alternativ kann man sich natürlich an Bier halten. Es gibt mehrere georgische Sorten – wobei wir uns schon an Tag 2 für Natakhtari entschieden haben. Es ist ein klein wenig herber als die anderen Biere aber an einem lauen Sommerabend gerade richtig. Wer etwas auf sich hält, trinkt hier allerdings gerne Deutsch: Beck’s, Warsteiner, König Pilsener oder Veltins sind gern gesehen – nur für den Reisenden aus Berlin eben nicht ganz so interessant.

5. Die Weiterreise

Tiflis MarshrutkaEin paar Tage in Tiflis machen Lust auf mehr Georgien. Wir haben uns als nächste Station Batumi ausgesucht. Ein paar Tage am Meer. An der Central Station sind wir daran gescheitert, ein Bahnticket zu kaufen. Es war Samstag, da gab es für die Züge am Montag nur noch insgesamt ein Ticket. Noch weniger erfolgreich waren wir nur dabei, die Tickets von Deutschland aus online zu kaufen. Also doch Bus. Es gibt die Metro Linienbusse morgens und abends, private Busse, die man einfach mal exklusiv buchen kann oder die berüchtigte Marshrutka. Unser Vermieterin hat uns davon abgeraten, zum Bahnhof Didube zu fahren. Chaotisch, unübersichtlich, anstrengend sei das dort. Bei der Central Station ginge das besser. Wir finden dort dann zwar keinen Ticketschalter für Linienbusse und montags auch keinen Bus der uns exklusiv fährt – aber die Marshrutka zu 13 Uhr. Ein alter Mercedes 18 Sitzer mit natürlicher Klimaanlage. Sie bringt uns in einer manchmal pituresquen, zumeist eher knochenbrecherischen Fahrt über Autobahnen und Gebirgspässe, durch Dörfer und Städte, in gut fünfeinhalb Stunden von Tiflis nach Batumi. Die anfangs noch freien drei Plätze werden im Streckenverlauf mit Menschen aufgefüllt, die am Straßenrand stehen und winken. Wir werden hin- und hergeschüttelt, schütteln bei waghalsigen Ünerholmanövern, die jedem TukTuk-Fahrer zur Ehre gereichen würden die Köpfe, suchen Halt wo es geht. Nach halber Strecke gibt es eine Wasserpause, bei der uns zwei Schweine und eine Kuh Gesellschaft leisten. Volles Unterhaltungsprogramm inklusive mehrstündiger lokaler Radiobeschallung für 20 Lari pro Person.

Zwei außerhalb der Wertung:

Blick auf TiflisRecht großartig gestaltet sich der Ausblick auf Tiflis vom Mtatsminda Park. Für 2 Lari bringt die Standseilbahn (natürlich von Doppelmayer) die Gäste nach oben. Neben Ausblick und Bier warten Eine Geisterbahn, ein Rollercoaster und eine richtig fiese Wasserbahn (in die man sich am besten nur in Badhose oder Badeanzug setzt). Hier stehen übrigens auch das Riesenrad und der Fernsehturm, die man vor allem nachts, farbenfroh beleuchtet, aus der ganzen Stadt bewundern kann.

Tiflis SchwefelbäderNoch mehr Wasser gibt es in den Schwefelbädern. Eine alte Tradition in Tiflis, die es heute noch gibt und die nichts mit Wellness zu tun hat. Auch hier gibt es wieder die Wahl zwischen der Touristen-Variante für 50 Lari oder der Einheimischen für 3 Lari (die Handtücher zählt man aber extra). Wir haben uns unter die Einheimischen gemischt. Auch wenn man uns dann wohl doch recht schnell  als Ortsfremde erkannt hat. In Räumen mit altem Sowietcharme haben wir uns dann Schwefelwasser aus losen Leitungen über die Köpfe laufen lassen, haben uns die kleine Sauna mit 10 nackten Georgiern geteilt und uns zur Abkühlung ins heiße Schwefelbad gesetzt. Muss man mögen – ein Erlebnis ist es allemal.

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