5 Gründe, im Herbst in die Südsteiermark zu fahren

Wie sagt man so etwas, ohne dass es nach maßloser Übertreibung klingt? Die Südsteiermark ist wahrscheinlich die schönste Ecke Österreichs, vielleicht sogar Europas.

Wie klingt das? Ich finde, das klingt nicht nach Übertreibung, überhaupt nicht. Vielleicht noch nach Untertreibung. Ich erzähle ja so ziemlich jedem, dass er dort unbedingt einmal hinfahren muss. Dabei bin ich selbst viel zu selten dort. Aber diesen Herbst habe ich es wieder geschafft – und es jeden Morgen, jeden Mittag, jeden Abend wusste ich wieder, dass es die Wahrheit ist. Und ich kann es beweisen – mit diesen 5 Gründen für die Südsteiermark.

  1. Die Farben

    Der Herbst ist ja die Jahreszeit der leuchtenden Farben. Aber ich kenne wenige Orte, an denen sie so leuchten, an denen es so viele Farben gibt. Erst verhüllt der Nebel die Welt in beruhigendes Weiß. Wenn dann die Sonne blass aus dem Nebel aufsteigt taucht sie die Welt in alle Schattierungen von Rosa und Gelb. Wenn sie die Nebel langsam aufgelöst hat, spannt sich der Himmel wie eine himmelblaue Babydecke über die Hügel. Die Wälder leuchten in rot, gelb, braun und grün. Die Weinberge changieren zwischen sattem Grün und sonnigem Gelb. In den Gärten der Häuser und Höfe strahlen Astern, Dahlien und Rosen um die Wette. Und währenddessen muss man sich noch entscheiden: für das satte Goldgelb von Muskateller oder ein dunkles Purpur von Zweigelt? Oder doch ein Blassgelb oder verwaschens Rot von Sturm? Spätestens jetzt wäre es dann auch an der Zeit für eine satte, dunkelbraune Melange im Anschluss an einen deftigen Käferbohnensalat aus rot-schwarzen Bohnen, schneeweißem Rettich und natürlich der Farbe, die die Steiermark das ganze Jahr über charakterisiert: das dunkle Schwarz-Grün des wundervollen Kürbiskernöls.

  2. Der Wein

    Ein wenig klang es ja eben bei den Farben schon an – aber es gibt ja noch so viel mehr als Muskateller und Zweigelt. Die Südsteiermark ist vor allem Eines: Eine Region, aus der ganz wunderbare Weißweine kommen. Trockener, fruchtiger Welschriesling, leichter, blumiger Weißburgunder, anregender Morillon. Letzter ist ja ohnehin so eine Eigenart, die es nur in der Südsteiermark gibt. Wie der Morillon zu seinem Namen kam, ist heute durchaus umstritten. Eine Geschichte besagt, dass Winzer aus der Steiermark nach der großen Reblauskatastrophe zur vorletzten Jahrhundertwende nach Frankreich gereist sind, um neue Reben zurückzubringen. Zurück zu Hause, wussten sie nur leider nicht mehr, wie die Rebe eigentlich hieß. Also benannte man sie einfach nach dem Ort, aus dem sie kam: Morion. Dass bei der steirischen Aussprache schnell Morillon daraus wurde, ist nicht weiter verwunderlich.
    Aber auch wenn hier große Weißweine gemacht werden, brauchen sich die steirischen Roten nicht zu verstecken. Ganz vorne hier natürlich der Zweigelt. Auch so eine österreichische Geschichte. Benannt ist der Wein nach seinem Züchter, einem Wisschenschaftler an der Wiener Universität für Bodenkultur. Er kreuzte St. Laurent und Blaufränkischen. Das Ergebnis kann sich in sattem Violett-Rot sehen, und in sammtigem, fruchtigen Bouquet schmecken lassen. Leider stellte sich in den letzten Jahren heraus, dass Prof. Zweigelt zu Zeiten der NS-Regierung ein freudiger Anhänger dieser Weltanschauung war. (Für die interessierten Leserinnen und Leser hier ein Verweis auf 3Sat, das in einem Film die Geschichte von Fritz Zweigelt aufgearbeitet hat.) Glücklicherweise hat die Landschaft und die Lage der Südsteiermark in den letzten 50 Jahren Menschen ganz anderer Art geprägt. Was uns auch schon zu Punkt 3 führt.

  3. Die Menschen

    Es ist schon ein ganz besonderer Menschenschlag, auf den man hier in der Südsteiermark trifft. Es ist auch eine deutliche Randlage in diesem kleinen Land. Selbst zu Zeiten des eisernen Vorhangs führte die Südsteierische Weinstraße zum Teil über slowenisches Staatsgebiet. So etwas verbindet und öffnet auch Grenzen im Kopf. Aber die sind hier ohnehin fließend – zwischen hoch professionell und familiär. Die Gastgeber machen alles möglich, erfüllen alle Wünsche und gleichzeitig kann man sich viel mehr wie zu Hause fühlen als man Gast ist. Da kommt es schon vor, dass man die Erinnerung mitbekommt: Wenn Ihr später zurück kommt und noch Hunger habt, Ihr wisst ja, wo der Kühlschrank ist. Schreibt’s halt auf. Oder dass am zweiten Tag ganz vorsichtig die Frage kommt: Sag mal, woher aus Österreich kommst Du denn? Dein Name kommt mir so bekannt vor.
    Wenn man dann am Abend nicht in der hauseigenen Buschenschank essen will (mehr dazu weiter unten), haben Gastgeberin und Gastgeber sicher den einen oder anderen Tipp. Wie Annemarie Hack. Die morgens schon mal den Kaffee fertig macht, wenn sie einen ihrer Gäste irgendwo um die Ecke biegen sieht. Die so ziemlich alles, was sie zum Frühstück serviert, selbst gemacht hat. Die alles versucht, um im Wirtshaus noch einen Platz für zwei herauszuschlagen.
    Da wäre dann aber zum Beispiel auch noch Robert Mahorko, vom gleichnamigen Hotel, Gasthaus und Weingut. Wo wird man heute vom Hausherrn schon noch persönlich mit Handschlag begrüßt?
    Dass die Südsteiermark etwas ganz besonderes ist, beweist auch Holger Hagen. Eigentlich ist der junge Mann ja Bayer – und damit prädestiniert für Bier. Er hat trotzdem Weinbau studiert (wohl nicht immer zur Freude der Familie) und sich dann in die Südsteiermark verliebt. Dort führt er jetzt sein eigenes Weingut in St. Veit und passt nach 10 Jahren so gut dort hin, als wäre er nie woanders gewesen. Wenn er von seinen ersten 10 Jahren, seinen Weinbergen und seinen Weinen erzählt, könnte man stundenlang zuhören – und Wein probieren.
    Oder Tamara Kögl, eine Vertreterin der jungen Steiermark. Sie hat von ihren Eltern den Betrieb übernommen und hat daraus vielleicht eine der schönsten Buschenschanken der Südsteiermark gemacht – mit viel Charme und grandiosem Ausblick über die Weinhügel. Aktuell bietet sie auch 4 Gästezimmer an. Wenn man dann morgens die Vorhänge von den Fenstern zurückzieht und von oben am Hügel geradewegs in die Sonne schaut, während unten im Tal der Nebel hängt, will man eigentlich gar nicht mehr weg.

  4. Die Ausblicke

    Die Ausblicke sind oft einfach atemberaubend. Nicht dass die Berge so hoch wären. Aber wenn man um die Kurve fährt und vor einem tut sich ein Tal auf, noch ganz vom Nebel bedeckt. Oder man sitzt bei Stefanie Sauer in Kitzeck auf der Terrasse und schaut direkt in die Weinberge. Den Blick aus der Buschenschenk von Tamara Kögl habe ich ja schon erwähnt. Und die Ausblicke sind dabei so unterschiedlich. Enge Schluchten, Hügel die von Baumalleen bestanden sind, weite Weinhänge, Abhänge, die links und rechts die Straße einrahmen. Und wohin man schaut, überall tun sich Weinberge auf. Mal sehen sie chaotisch bunt aus, mal sind sie ordentlich aufgereiht wie ein englischer Garten. Da kann es dann auch mal vorkommen, dass der Kaffee kalt oder das Vanilleeis mit Kürbiskernöl warm wird – weil man einfach nur mit Schauen beschäftigt war.

  5. Das EssenIch mag Essen – und ich stehe dazu. Und wohl auch deshalb passen die Südsteiermark und ich so gut zusammen. Weil sich dort an der Grenze zu Slowenien auch ständig alles um Essen dreht, um hervorragendes, abwechslungsreiches, ehrliches Essen. Wer einmal einen Backhendlsalat in Schramm’s Wirtshaus gegessen hat, wer einmal nach seinem Vanilleeis mit Kürbsikernöl die grünen Reste mit einer Serviette von seinem Mund gewischt hat, wer sich das erste Mal mutig genug war, einen Käferbohnensalat zu bestellen – ich bin mir sicher, dem wird es gehen wie mir. Der (oder die) will immer wieder kommen. Weil es da ja noch das Kürbiskern-Tiramisu zu probieren gibt, das Muskat-Kürbis-Risotto und dazwischen noch die eine oder andere Brettljause mit Verhackert, Kürbiskernaufstrich, Liptauer, frischem Schafkäse und Grammelschmalz. Dass die Steirer festgestellt haben, dass ihr Essen auch für Vegetarier und Veganer ein echter Genuss ist, war eigentlich nur noch eine Frage der Zeit. Und ein wenig haben sie damit sogar mich mit veganem Essen versöhnt. Jetzt muss ich aber los, die Käferbohnen einlegen – damit sie mit frischen Zwiebeln, Rettich und Kürbiskernöl mein Südsteiermark-Fernweh ein wenig lindern…
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