48 Stunden Kreuzfahrt: Kiel – Göteborg und zurück

Man darf es wohl schon eine Tradition nennen, wenn I, C und ich B schnappen und mit ihr als Geschenk auf Reisen gehen. Leider schaffen wir das ja nie rund um ihren Geburtstag. Im August würde uns das wohl sehr entgegen kommen. Stattdessen wird es meistens Oktober. Wie auch dieses Jahr wieder.

Diesmal nehmen wir B direkt aus dem Büro mit und fahren mit ihr… natürlich, mit dem Zug. Und wie immer hat sie keine Ahnung wo es hingeht. Über Hamburg mit dem ICE und dem Regionalexpress geht es nach Kiel. Freundliche Schaffner der Bahn machen erst Laune, versetzen uns dann kurz in Alarm. Unbestimmte Verspätung aufgrund einer Baustelle. Hyperventilation. Dagegen hilft Uhudler-Sekt – und am Ende sind es auch nur 5 Minuten Verspätunge. Naja, wenn Engel reisen… geht alles gut.

In Kiel raus aus dem Zug, raus aus dem Bahnhof und Meeresluft schnuppern. Und spätestens jetzt ist es kaum mehr zu übersehen, wo wir hinwollen. Da vorne liegt sie: stolz und groß wie ein Hochhaus. Die Stena Scandinavica. Und sie lädt uns zu einer Kurzreise nach Göteborg ein. Buchen war ganz einfach – bis auf die Wahl der Kabine. Eigentlich wollten wir ja eine 4er Kabine, am liebsten eigentlich die 4er mit Whirlpool. Aber die war uns dann doch ein wenig zu teuer. Zwei Zweier-Außenkabinen tun’s dann doch auch. Sie sind überaschaubar – aber mit Bullauge nach draußen, zwei Betten übereinander und sogar ein komplettes Bad, ein kleines Sofa und ein Fernseher haben Platz. B freut sich wie ein kleines Kind – und wir uns gleich mit. Insgesamt hat das Ganze aber etwas sehr freundliches. Das ganze Schiff fühlt sich ein wenig nach riesigem Hotel an, in dem man sich aber durchaus wohlfühlen kann.

Kurz umgesehen, kurz verlaufen (welche Treppe brauchen wir nochmal? rot? blau? grün? braun?) und dann stehen wir oben. An Deck. Schauen auf Kiel. Hinter Karstadt geht langsam die Sonne unter. Die Motoren brummen, Rauch kommt aus den Schloten und das Schiff legt ab. Fast so elegant, wie I ein BunBo ausparkt. Wir drehen uns, nehmen Fahrt auf und schwimmen an Kiel vorbei. Die Häuser verschwinden langsam in der Nacht. Die anderen Passagiere unter Deck. Aber wir können uns so recht von der Meeresluft und dem Fahrtwind trennen. Wie heißt das Wort nochmal? Achja: Beeindruckend.

Abendessen gibt es dann im à la carte Restaurant. Und noch eine Überraschung. Sowohl Huhn als auch Steak schmecken hervorragend. Wer hätte das gedacht. Die Preise sind natürlich schon auf Skandinavien-Niveau. Wir gönnen uns noch ein ähnlich günstiges Bier und dann geht’s ab ins Bett.

Ich stehe früh auf. Es ist wohl so 7.30 Uhr. Aber da draußen ist ja Wasser und das ist spannend. Rein in die Klamotten, Mütze auf und rauf auf Deck. Wir fahren vorbei an kleinen Inseln, die fast im Nebel verschwinden. An Leuchttürmen, einem süßen kleinen Leuchtturmwärterhäuschen und langsam wird das Ufer belebt. Göteborg voraus. Regen von oben. Ja, wie war das mit den Engeln und dem Reisen? Der Tag beginnt wie er enden wird: mit Wind, Nieselregen und grauem Himmel.

Nach einem sanften Anlegemanöver machen wir uns auf. Zu Fuß in die Altstadt. Es ist wie immer. Die Wege in die Stadt sind trist, grau, unfreundlich. Göteborg ist da keine Ausnahme. Tapfer haben wir gute Laune, wandern große Straßen und graue Fassaden entlang. Freuen uns über kleine Entdeckungen und diese lustige Sprache. Langsam kommt allerdings der Hunger. Wir fallen also in das erstbeste Lokal ein, ordern Frühstück und lernen, wie die Welt wohl wäre, wenn wir Schweizer Liebhaber und deutsche Polizisten hätten…

Recht ziellos laufen wir durch die Stadt, entdecken deutsche Kirchen, Museen, Einkaufszentren, Markthallen und Bäckereien. Es ist eine süße kleine Stadt, dieses Göteborg. Wasser macht ja oft viel aus. Backstein hat auf mich immer eine sehr versönliche Wirkung. Was können da Nieselregen, Wind und Nebel schon ausmachen? Vor allem, wenn man die Saluhallen findet. Eine nette kleine Markthalle, in der man gut und gerne in Kaufrausch verfallen könnte. Kleine Pralinen gibt es da, schwedisches Brot, frischen Fisch, Marmeladen, Tee, … Wir streunen durch die Marktgassen, lassen uns treiben – und bekommen Hunger. Deshalb entscheiden wir uns auch für das kleine Restaurant einer Deutschen, die hier lebt. Sie kocht schwedisch (ganz wie es sein soll: Lachs, Krabben, Köttbullar, …) und serviert dazu deutsche Weine vom Weingut ihrer Familie. Wir sitzen in einem kleinen Raum der fast wie eine Kapelle wirkt. Der Lärm der Halle wird verschluckt, durch die verglasten Fenster können wir dem Treiben draußen zuschauen.

Am Rückweg entscheiden wir uns dann doch für die Straßenbahn. Wir laufen vorbei an der Feskekörka, kommen wieder ans Wasser, nehmen noch eine letzte (ich glaube, es ist die dritte) Portion Zimtschnecken mit. Am Schiff wird erstmal ein Stündchen geschlafen. Pünktlich zur Abfahrt finden wir uns wieder an Deck ein. Pünktlich zur Abfahrt reißt die Wolkendecke auf und die Sonne kommt raus. Der Koloss legt mit 30 Minuten Verspätung ab, nimmt im bunten Abendlicht Fahrt auf und wir verabschieden uns von Göteborg. Das war so kurz – waren wir wirklich eben in Schweden?

Es ist Samstagabend. In einer der Bars (es gibt derer zwei, neben den drei Restaurants) ist ein Alleinunterhalter angesagt. Er sitzt auf einer kleinen Bühne, mit seinem Keyboard, und unterhält. Mit Coverversionen in eigener Interpretation. Wir schrammen immer kurz am Fremdschämen vorbei. Abhilfe schafft das Bar-Sonderangebot des Abends: Großes Bier und großer Jägermeister. Zu skandinavischen Preisen. Aber nach dem zweiten Sonderangebot macht auch das nichts mehr, gibt B w.o., gehen I und C auf die Tanzfläche. Das Schiff schwankt (und nein, das hat nichts mit dem Sonderangebot zu tun). Wir werfen noch einen Blick an Deck – in blaues Licht getaucht, mitten am Meer und keine Menschenseele außer uns. Man könnte demütig werden. Zumindest Ehrfrucht kommt auf. Vor der oft beschriebenen Weite des Meeres, vor der Größe dieses schwimmenden Kolosses. Und damit lassen wir Ehrfurcht Ehrfurcht sein, machen uns über die rote Treppe auf in die Kabine und schlafen den Schlaf der Gerechten. Oder das, was sich nach zwei Sonderangeboten danach anfühlt.

Der Morgen beginnt wieder früh. An Deck. Wir überholen Lastkähne, kreuzen dreimastige Segelschiffe, fahren an deutscher Kriegsmarine vorbei. Bei den netten Damen an der Information holen wir uns Kaffee, stehen stumm an Deck und schauen einfach nur. Der Wind bläst den Kopf frei. Und war das jetzt wirklich echt? Waren wir wirklich eben noch in Schweden? Im Zweifelsfall auf tumblr nachschauen, da gab’s ja was…  Und waren das nur 48 Stunden? Schräges Ding, so eine Mini-Kreuzfahrt. Sollen wir nächstes Jahr wieder? Oder doch zurück aufs BunBo? Und hätten wir von Kiel eigentlich mehr sehen sollen?

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